Bunt und schrill – das Elend kommt nach Europa

Theatergroteske der Berliner Compagnie zur aufhaltsamen Wasserprivatisierung

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

In einer rauschenden Revue mit vier DarstellerInnen in mindestens fünfzehn Rollen bringt das Team der Berliner Compagnie mit insgesamt nur sechs Mitwirkenden das seit Mitte der 1990er Jahre vakante, im Jahr 2000 mit dem Wasserkrieg von Cochabamba zur Berühmtheit gelangte Problem der Wasserprivatisierung als Gangsterkomödie mit dem Titel „Das Blaue Wunder“ auf die Bühne. Volle Säle am Weltwassertag in Aachen (am 22. März 2013 in Kapperts Hölle) und zwei Tage später in Köln im Großen Saal der Alten Feuerwache.

Eben weil das Thema Wasserprivatisierung und die damit verbundene drohende Verschlechterung, weitere Verknappung und Verteuerung (um derzeit 400% in Portugal) so bedrückend ist, ist Befreiung erwünscht. Das Publikum lässt sich hinreißen von einem atemberaubendem Einsatz, von Rollenwechsel und Bühnenbild. Ehedem in der so genannten Dritten Welt zuhause – ist das Elend spürbar im Vormarsch auf Europa. Nicht nur in den PIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien), also Schweine genannten Ländern, auch in deutschen Haushalten und Kommunen ist es längst angekommen. Armut und Hunger, leere Kassen der öffentlichen Hand sind in Europa und in der Eifel keine Fremdworte mehr.

Privatisierung auf Druck der Weltbank

Auszug aus dem Geschehen seit der Öffnung des Wassers für den totalen, neoliberalen Markt, in einem Stück, in dem einzelne Figuren fiktiv sind, keineswegs aber der Sachverhalt: April 2000 in Cochabamba in Bolivien. Die Gangster sind ganz obenauf. Vivendi, die Nummer eins, hat eine Unmenge Wasserwerke auf der ganzen Welt aufkaufen können und ist dabei, im Mediengeschäft die Nummer zwei zu werden. R.W.E. ist es gelungen, Thames Water in London zu erwerben und wird in Kürze American Water Works schlucken. Auf dem Weltwasserforum in Den Haag konnte Suez erfolgreich verhindern, dass Wasser zum Menschenrecht erklärt wurde. Stattdessen wurde dort verabschiedet, jedem Menschen solle „der Zugang zu bezahlbarem Wasser“ möglich sein. Ein kaum zu überbietender Triumph. Die Politik selbst treibt der Mafia die Hasen in die Küche…

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18899

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