„Männer sind die Opfer der Emanzipation“

Monika Ebeling kümmerte sich als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt um beide Geschlechter. Das kostete sie den Job. Die aktuelle Sexismus-Debatte ist ihr unverständlich.

Interview: Jürgen Elsässer

(…) ? Eine konkrete Kontroverse betrifft die Frage der häuslichen Gewalt. Wie ist da Ihr Kenntnisstand?

Die Vorstellung Frauen könnten ähnlich wie Männer Gewalt ausüben scheint unsere Gesellschaft sehr zu beunruhigen. Diese Idee rüttelt ja auch an der Vorstellung, Männer seien von Natur aus dominanter als Frauen. In den USA stellen Kriminologen aber schon längst einen neuen Trend fest. Während die von Männern ausgeübten Gewaltverbrechen leicht rückläufig sind, steigt die Zahl der Gewaltverbrechen von Frauen deutlich an. Die Anzahl der Gerichtsverfahren gegen weibliche Jugendliche erhöht sich auch hierzulande, nicht selten auch deshalb, weil Mädchen und junge Frauen Gewalt als legitimes Mittel erachten. Eine britische Studie belegt, dass Frauen dreimal öfter wegen häuslicher Gewalt festgenommen werden als Männer (Marianne Hester, Who Does What To Whom? Gender and Domestic Violence Perpetrators, University of Bristol in acc. with the Northern Rock Foundation, Juni 2009).

Es gibt zahlreiche Studien, die man in unserem Land geflissentlich zu übersehen scheint. Vielleicht, weil es so schwer ist, die Idee der hilflosen Frau aufzugeben? Etwa die von Murray und Strauss durchgeführte Untersuchung aus den 1970er Jahren. Da wurden Männer wie Frauen gefragt, ob sie im vergangenen Jahr Gewalt gegen ihren Partner oder ihre Partnerin ausgeübt hätten. Das Ergebnis war fast 50:50. Oder nehmen wir die Erinnerungen von Erin Pizzey. Sie ist eine Veteranin der Frauenhaus-Bewegung und veröffentlichte vor zwei Jahren ihre Memoiren. Sie berichtet, dass viele weibliche Opfer von Männergewalt, denen sie Zuflucht geboten hatte, ihrerseits Mann oder Kinder geschlagen hatten. Eine weitere britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt Männer sind. (John Mays, “Domestic Violence: The Male Perspective”, Paritiy, Juli 2010).

Wissenschaftler, die hierzulande solche Wahrheiten aussprechen, müssen aber um ihre Reputation fürchten. Veröffentlicht werden darf anscheinend nur, was dem Stereotyp der unterdrückten Frau und des dominanten Mannes entspricht. Die Dichotomie Frau/Opfer – Mann/Täter darf anscheinend nicht aufgegeben werden. Im Übrigen gilt: Was nicht sein darf, kann nicht sein.

? Aber es gibt doch auch deutsche Studien?

Ja, sogar sehr viele! Frauen befreien sich zunehmend von ihrer Aggressionshemmung, während Männer womöglich sogar vorsichtiger werden. Dass Gewalt nur vom Manne ausgeht, wird zunehmend ein Ammenmärchen. 2006 haben Volz und Zulehner im Auftrag des Bundesministeriums eine Pilotstudie vorgelegt, die darauf hinweist. Dr. Peter Döge hat in Zusammenarbeit mit der Männerarbeit der evangelischen Kirche mit der Studie Männer – die ewigen Gewalttäter? nachgelegt.

? Müssen wir das Zusammenleben nüchterner organisieren? Hat die frühere SPD-Familienministerin Ulla Schmidt Recht, wenn sie sagt: „Familie ist, wenn alle aus demselben Kühlschrank essen“?

Dieser Ausspruch ist symptomatisch für unsere Kultur. In vielen heutigen Familien herrscht die Eiseskälte eines Kühlschrankes. Das gab es früher nicht. Die Familie sollte ein Nest sein, das Geborgenheit vermittelt, wo beide Partner gleichberechtigt für das Kind sorgen. Aber die Politik diskutiert Familie heutzutage vor allem unter dem wirtschaftlichen Aspekt, das greift zu kurz…

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