Vermögensverteilung in der Eurozone: 15 Blicke hinter die Kulisse der “sozialen Marktwirtschaft”

2013 hatte die EZB Daten zur Vermögenskonzentration in der Eurozone veröffentlicht1. In Anbetracht der sog. „Hilfsgelder“, die aufgrund der Eurokrise über den sog. „Rettungsfonds“ (ESM) fließen2, griff die Mainstreampresse die Daten auf, um wieder einmal das falsche Bewusstsein zu stiften und Bevölkerungen unterschiedlicher Länder gegeneinander aufzubringen.

Jascha Jaworski

Vielfach wurde einfach verglichen, wie hoch das mittlere private Nettovermögen in den einzelnen Ländern ist. Hierbei wurden die Nettovermögen jeweils jener Haushalte miteinander verglichen, die sich genau in der Mitte der Vermögensverteilung befinden (= Medianwert). Das sind hier allerdings irreführende Werte, da gerade jene Länder als relativ arm gelten können, die einfach eine sehr ungleiche Vermögensverteilung haben, in denen also der Haushalt in der Mitte zwar über wenig Vermögen verfügt, dafür jedoch die reichsten Haushalte in den entsprechenden Ländern besonders viel Vermögen auf sich vereinigen. So war dann auch schnell die Rede von den „armen Deutschen“ in der Eurozone.

Eine weitere Problematik bestand darin, dass überhaupt absolute Werte über die Ländergrenzen hinweg miteinander verglichen wurden. Die einzelnen Länder der Eurozone weisen nämlich u.a. unterschiedliche Rentensysteme auf. In einem Teil der Länder beruht die Altervorsorge ausschließlich auf angespartem Vermögen, das dann im Alter aufgebraucht wird. In anderen Ländern hingegen besteht ein Umlagesystem bei dem Altersvorsorge hauptsächlich dadurch erfolgt, dass Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung erworben werden (die jedoch nicht als Finanzvermögen berücksichtigt werden). Da die Vermögenserhebungen zudem auf der Ebene von Haushalten und nicht Einzelpersonen erfolgten, ist die jeweilige Haushaltsgröße ein weiterer Faktor der sich zwischen den Ländern teilweise stark unterscheidet3.

Was sich über die Ländergrenzen hinweg besser vergleichen lässt, in der Mainstreampresse jedoch weitgehend ausgeklammert wurde, sind die Vermögensverteilungen. Vielen Menschen dürfte mittlerweile bekannt sein, dass Vermögen in der Regel recht ungleich verteilt ist. Das wirkliche Ausmaß der Vermögensungleichheit ist hingegen weithin unterschätzt, wie etwa Erhebungen in den USA4 und Deutschland5 belegen. Die starke Unterschätzung der Vermögensungleichheit ist hierbei über alle Parteigrenzen hinweg festzustellen, ebenso wie seltsamerweise selbst die Mehrheit der WählerInnen von konservativen und liberalen Parteien eine größere Vermögensgleichheit, sowie eine Vermögenssteuer befürwortet. Mit dem Aspekt der Vermögensungleichheit in der Eurozone wollte man sich bei der öffentlichen Verbreitung der Ergebnisse jedoch offenbar kaum beschäftigen. Dabei sind Verteilungsfragen nicht allein aus Gründen der Gerechtigkeit höchst relevant, sondern stehen auch in einem engen Verhältnis zur Demokratiefrage. Das gleiche Stimmengewicht an der Wahlurne ist schließlich das eine, Verfügungsgewalt über die Produktion, politische Einflussnahme durch Medienbesitz und Parteizuwendungen, die Gründung von ThinkTanks oder Verteilung von Forschungsgeldern hingegen etwas ganz anderes, das zudem leider recht gern vernachlässigt wird beim Hochhalten der real existierenden europäischen Demokratien.

Schaut man nun jedoch auf die entsprechenden Daten der EZB-Studie, zeichnet sich ab, wie es jenseits von Wahlurnen um den politischen und wirtschaftlichen Einfluss in den Ländern der Eurozone bestellt ist:…

http://www.maskenfall.de/?p=4425

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