“Systemrelevante Banken setzen Prinzipien der Marktwirtschaft außer Kraft”

FORMAT-Interview. Der Autor und Aktivist Christian Felber hält “Geld regiert die Welt“ nicht nur für einen Spruch, sondern für ein existenzielles Problem. Er schlägt ein neues Geldsystem vor.

FORMAT: Herr Felber, wie kommt man auf die Idee, ein Buch über ein neues Geldsystem zu schreiben?

Christian Felber: Bei Umfragen der Bertelsmann Stiftung gaben 90 Prozent der Österreicher an, dass sie mit dem aktuellen Wirtschaftssystem nicht zufrieden sind. Das ist doch ein sehr klarer Auftrag, Regeln für ein neues Spiel zu entwickeln. Die Geldordnung ist nichts anderes als der rechtliche Rahmen dafür. Geld ist das mächtigste Instrument, das wir haben, es ist der stärkste Hebel.

Ein Hebel, der Ihrer Analyse nach momentan nicht richtig funktioniert. Warum nicht?

Felber: Eine ganze Reihe von Dingen läuft schief: Erstens ist unser Geldsystem unverständlich und intransparent. Es ist instabil, eine Krise kommt nach der anderen. Es ist ungerecht, weil nicht Leistung belohnt wird, sondern Geldakkumulation. Es ist nicht nachhaltig, weil Banken die ökologischen Effekte der Kredite genauso wenig prüfen wie die sozialen. Und es ist demokratisch äußerst schwach legitimiert.

Wie stellen Sie sich ein demokratisch legitimiertes Geldsystem vor? Sollen wir über jede Zinserhöhung abstimmen, über jeden Schritt der Bankenregulierung?

Felber: Nein, es wird darum gehen, die Grundpfeiler eines Geldsystems gemeinschaftlich zu bestimmen: Was ist der Zweck von Banken? Soll Geld ein öffentliches Gut sein? Sollen Kredite für Finanzinvestitionen erlaubt sein oder nur für Realinvestitionen? Viele Folgewirkungen würden sich dann von selbst erübrigen. Dinge wie der Hochfrequenzhandel von Wertpapieren, die Schattenbanken, die Steuerschlupflöcher und vor allem, dass es systemrelevante Banken gibt, würden bei demokratischen Entscheidungen sicher nicht durchgehen.

Fangen wir mit den Grundsäulen an: Wie entsteht Geld heute und wie könnte es in Zukunft entstehen?

Felber: Ich schlage vor, dass Geld aufgrund seiner enormen Wichtigkeit für das Wirtschaftssystem ein öffentliches Gut wird. Eines, das deshalb ausschließlich von einer demokratisch legitimierten Zentralbank ausgegeben wird und nicht gemeinsam von dieser und privaten Banken…

http://www.format.at/articles/1412/525/373527/systemrelevante-banken-prinzipien-marktwirtschaft-kraft

This entry was posted in Freiheit, Geldsystem, Gerechtigkeit, Politik, Selbstorganisation, Wissenschaft and tagged , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply