Dritter Weltkrieg verschoben

Aufrüstung muss erst noch angeleyert werden

– Wolfgang Blaschka

Irgendwie erwarten Viele, dass es bald gewaltig rummst. Im Gegensatz zu vor 100 Jahren bleibt die Kriegsbegeisterung zwar weitgehend aus, dafür ist die Sorge umso größer. Man kennt das ja inzwischen hierzulande, wie Weltkriege auszugehen pflegen: Erst gehen sie aus, mit angestacheltem Enthusiasmus, blumengeschmückt aufgebrezelt und übermütig gelaunt, und dann kommen sie wieder nach Hause zurück, zerlumpt und ausgemergelt, in Schutt und Asche, verstümmelt und geschlagen. Irgendwann bekommt der Krieg Heimweh, doch findet er die Heimat kaum wieder, so zerstört und wie umgepflügt sie da liegt.

So zumindest war es bisher immer, wenn Deutschland sich zum Kriegen anschickte. Mag es anderswo Siegesparaden und verklärte Erinnerungen an das große Völkerschlachten geben, ein Gefühl der Genugtuung, der drohenden Niederlage getrotzt und das Kriegsglück gewendet zu haben, hat man hierzulande genug davon und sehr damit zu tun, das Militärische überhaupt noch salonfähig zu halten oder es wieder allgemein akzeptabel zu machen. Die Bundeswehr gibt sich da gewisse Mühe. Mit öffentlichen Gelöbnissen, Werbeoffizieren an Schulen und familienfreundlichen Kindergarten-Angeboten auf Kasernenhöfen ist es jedoch nicht getan. Daher greift man nun zu härteren Waffen: Man lässt den Barras alt aussehen in aller Öffentlichkeit, um Mitleid zu evozieren. Man lässt den Bundesprediger in die Bütt steigen und an “deutsche Verantwortung” appellieren.

Es grenzt schon an Geheimnisverrat, wenn aus dem Kriegsministerium Zahlen lanciert werden, die den erbärmlichen Zustand der Truppe vor aller Augen führen sollen, auch derer hinter den Sonnenbrillen, die fleißig mitnotieren und das Debakel der schimmelnden Wehr an ihre Geheimdinste melden. Die Taliban werden erzittern, die ISIS erbleichen und Putin verzweifeln angesichts der desolaten Bundeswehr. Vor der sollen sie Respekt haben? Das ginge doch nun gegen jede Soldatenehre. Die vaterlandsvergessenen deutschen Zeitungsleser sollen wohl an ihrem innersten Stolz gepackt werden, wenn sie das zu lesen bekommen am Fühstückstisch, und vor Mitleid eine spontane Eierspende ins Auge fassen für die nächste Standort-Kantine.

Skandalös: So viele Gefahren wie potenzielle Gegner, und sowenig einsatzfähiges Material! Angeblich sind nicht einmal die Hälfte der gepanzerten Transportfahrzeuge vom Typ “Boxer” startklar, nur 70 von 180. Von theoretisch 109 “Eurofightern” gehen gerade mal 42 in die Luft. Noch erbärmlicher sieht es bei den Hubschraubern aus: Nur 8 von 33 NH-90-Transportern trudeln halbwegs hoch, der “Tiger” taumelt immerhin zu einem Drittel (10) seiner Stückzahl (31), obgleich er schon mal seinen Waffenträger verliert wie neulich auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, wo sich die Füchse erschreckt haben werden, aber nicht geschädigt wurden, da glücklicherweise keine Gefechtsköpfe dran montiert waren. Ganz übel sieht es auch beim “Sea Lynx” aus mit seiner Erfolgsquote beim Start von 4:22, kaum weniger trübe beim “Sea King”, der gerade mal 3 von theoretisch 21 vorhandenen Exemplaren hochkriegt, immerhin ein stolzes Siebtel seiner Sorte. Damit ist kein Krieg zu gewinnen, schon gar nicht ein Weltkrieg. Keinesfalls dran zu denken ihn auch nur zu führen und erst dann zu verlieren. …

http://www.rationalgalerie.de/kritik/dritter-weltkrieg-verschoben-1.html

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