Die Saudis ziehen in den Krieg

Das saudisch-wahhabitische Terrorregime hat einen umfänglichen und offenen Krieg gegen den Jemen mit dem Ziel der Wiederinstallation ihrer Marionette Hadi begonnen. Doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Krieg ganz andere Ergebnisse als beabsichtigt hervorbringt und möglicherweise sogar anstelle des Sturzes der jemenitischen Regierung von Ansarullah die Entmachtung der wahhabitischen Diktatur der Sauds zur Folge haben wird.

– einparteibuch

Als der saudische Botschafter in Washington in der Nacht zum Donnerstag verkündete, die saudische Luftwaffe habe mit der Bombardierung von Zielen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa und anderen Orten des Jemen eine vollumfängliche Militäroperation zur Entmachtung der Bürgerbewegung Ansarullah und zum Wiedereinsetzen des kurz zuvor abgetauchten jemenitischen Herrschers Hadi gestartet, markierte das offenbar den ersten großen von den Saudis geführten Krieg seit der saudischen Beteiligung am nordjemenitischen Bürgerkrieg vor 50 Jahren. In den letzten 50 Jahren gehörte die wahhabitische Diktatur der Sauds zwar stets zu den aggressivsten Kräften der Welt, beschränkte sich dabei jedoch, abgesehen von kleineren Scharmützeln wie dem mit den Houthis zur Jahreswende 2009/2010, regelmäßig auf verdeckte Kriegstaktiken wie die Finanzierung, Unterstützung und Entsendung von Extremisten und Terroristen wie etwa in Afghanistan, Nicaragua, Libanon, Jugoslawien, Zentralasien, Russland, Libyen und Syrien, oder auf das Erbringen von Handlangerdiensten für die kriegsführende Weltmacht USA, wie etwa im Irak. Nur verdeckt im Hintergrund mit Geld und Extremisten oder mit kleineren Hilfsdiensten für die USA aufzutreten, miniminierte in all diesen Kriegen das Risiko für die saudische Dynastie, im Fall einer Niederlage selbst zu arg in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Beim gegenwärtigen saudischen Krieg gegen den Jemen ist das anders. Hier stehen die Saudis nun als offen und mit regulären Kampfeinheiten auftretende Führungsmacht im Krieg gegen den Jemen voll im Wind, und wenn der Krieg verloren geht, ist es deshalb zu erwarten, dass sie der Rückschlagseffekt auch mit voller Wucht treffen wird. Betrachtet man bloß die nackten Zahlen militärischer und wirtschaftlicher Stärke, wie sie etwa in der Wikipedia veröffentlicht sind, so scheint es so auszusehen, dass ein saudischer Sieg im Krieg gegen Jemen zu erwarten ist. Saudi Arabien ist der mit Abstand finanzkräftigste arabische Staat, während der Jemen zu den Ärmsten gehört. Der IWF weist als BIP von Saudi Arabien für 2014 einen Wert von umgerechnet 748 Mrd US-Dollar aus, für den Jemen hingegen nur 40 Mrd US-Dollar. Der saudische Militäretat lag, wie es in Wikipedia veröffentlicht ist, laut SIPRI 2013 bei 67 Mrd US-Dollar und laut IISS 2014 bei etwa 80 Mrd US-Dollar, beträgt damit also etwa das eineinhalb- bis zweifache der jemenitischen Wirtschaftsleistung. Die Saudis brüsten sich damit, für ihren Krieg zur Wiedereinsetzung von Hadi als Staatschef des Jemen eine Koalition aus mehr als 10 regionalen Staaten anzuführen, und für diesen Krieg unter anderem 150.000 Soldaten, 100 modernen Kampfflugzeuge, diverse Kriegsschiffe aller Art und jede Menge weiteres modernes militärisches Material aufzubieten, was durch ihre Koalitionspartner noch erheblich erhöht wird. Bei der Bürgerbewegung Ansarullah, die die Saudis als den von ihnen zu bezwingenden Feind im Jemen betrachten, steht in der Wikipedia gerade mal insgesamt eine Stärke von 100.000 Mann eingetragen, und ihre Bewaffnung dürfte ähnlich wie die Bewaffnung der jemenitischen Streitkräfte zum größten Teil aus alten, oft uralten, zumeist leichten und allenfalls mittelschweren Waffen bestehen. Die Stärke der jemenitischen Armee wird in Fachveröffentlichungen auf etwa 67.000 Mann aktives Personal sowie eine Reserve von 71.000 Mann angegeben. Es ist anzunehmen, dass die saudische Despotie davon ausgeht, dass ihre große Überlegenheit an Waffen und Geld auch zum Sieg im Krieg führen wird.

Schaut man jedoch genauer hin, relativiert sich die auf dem Papier bestehende große Überlegenheit der Saudis jedoch schnell. Zunächst mal ist der Jemen kein Zwergstaat wie Bahrain, wo die Saudis 2011 bei der Niederschlagung friedlicher Proteste für die Einführung von Demokratie halfen, sondern mit rund 25 Mio Einwohnern von der Bevölkerung her ähnlich groß wie das rund 30 Mio Einwohner zählende Saudi Arabien. Und die Bevölkerung des Jemen ist praktisch durchweg bewaffnet, laut Wikipedia liegt der Jemen mit 54 von Zivilisten besessenen Waffen pro Hundert Einwohner auf Platz drei der Länder der Welt mit den meisten Waffen pro Kopf. Beinahe jeder Mann im Jemen ist bewaffnet. In der von Stammestraditionen und -konflikten geprägten Gesellschaft lernen bereits Kinder den Umgang mit Waffen. Sollten die Saudis also, wie von ihrem Koalitionspartner Ägypten angekündigt, eine Bodeninvasion des Jemen unternehmen, so werden sie dort nicht nur etwa 100.000 Houthis und jemenitischen Soldaten gegenüberstehen, sondern in einem Umfeld mit rund 10 Mio bewaffneten Männern agieren müssen, von denen aufgrund der permanenten Konflikte im Land viele praktische Kriegserfahrung haben. Auch eine 150.000 Mann starke Invasions- und Besatzungsarmee, wie sie die Saudis nun aufgeboten haben wollen, wirkt da nicht mehr sehr groß, und das auch dann nicht, wenn Koalitionspartner der Saudis noch einmal so viele Soldaten zum saudischen Krieg gegen Jemen beisteuern sollten. …

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