Die ungebändigte Macht des Kapitals – das nach wie vor zentrale Problem des sozialen Lebens


“Der Kapitalismus gleicht einem Pferd: Um dem Menschen nützlich zu sein, müssen ihm Zügel angelegt werden.“
(Prof. Querulix, deutscher Aphoristiker)

Das Kapital beherrscht die Welt. Das ist für jeden aufmerksamen Zeitbeobachter unbestreitbar. Aber das Kapital ist keine anonyme Macht. Es sind Menschen, die hinter ihm stehen und es als Instrument im Positiven wie im Negativen benutzen: seine Eigentümer. Das Eigentumsrecht gestattet ihnen die unbegrenzte Verfügungsbefugnis über das Kapital und seinen Profit. Bewunderungswürdige Leistungen und Produkte werden dadurch zum Nutzen der Menschen hervorgebracht. Aber das Eigentumsrecht erlaubt ihnen auch, sowohl Macht über die Mitarbeitenden auszuüben, die in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen kommen, als auch mit dem alleinigen Gewinn ihr Kapital ständig zu vermehren, ihre wirtschaftliche Macht ungeheuer zu vergrößern und damit vielfach die politische Macht von sich abhängig zu machen und zu bestimmen.

Vom Privateigentum am Kapital gehen also große gesellschaftliche Wirkungen aus, die wir genauer betrachten müssen, um den Mechanismus der gesellschaftlichen Macht des Kapitals zu verstehen. Kapital ist ein Medium, das der individuellen Realisierung von Ideen dient, Waren und Dienstleistungen für die Gesellschaft zu produzieren. Wer das unternehmen will, braucht zunächst einmal Geld als Investitionskapital, mit dem er Produktionsmittel in Gestalt von Gebäuden, Maschinen, Geräten, Rohstoffen usw. (Produktionskapital) errichtet bzw. kauft, die damit nach dem geltenden Recht in sein Eigentum übergehen. Er gliedert die Produktionsmittel in einen auf Arbeitsteilung beruhenden rational durchorganisierten Prozess, in dem alle unnötigen Kosten vermieden werden sollen. Herr dieses Produktionsprozesses ist der Eigentümer. Er will durch ihn seine Ideen realisieren und damit am Ende auch einen möglichst großen Reingewinn erzielen, der ihm aufgrund seines Eigentumsrechtes in die privaten Taschen fließt.

Sozial destruktive Macht

Doch den Produktionsablauf kann der Eigentümer nicht alleine bewerkstelligen. Er braucht viele spezialisierte Menschen, die die Arbeit in den einzelnen, miteinander verzahnten Abschnitten an und mit den Produktionsmitteln leisten. Als Nichteigentümer kommen sie aber von vorneherein zum Eigentümer in die Rolle von untergebenen Hilfskräften, die nicht am Unternehmen beteiligt sind, sondern dem Eigentümer nur ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, die dieser für seine Interessen einsetzt. Sie sind in seiner Sicht ebenfalls Produktionsfaktoren, die kostengünstig gegen möglichst niedrigen Lohn gekauft und dem Produktionsprozess eingefügt werden, der seinem Gewinn dienen soll. Damit wird die Arbeitskraft, d. h. der von ihr nicht zu trennende Mensch zwangsläufig ebenfalls zur Ware.

In dieser vom Privateigentum am Kapital aus entwickelten Struktur wirtschaftlicher Produktion wird alles zur Ware, was in sie eingegliedert wird, auch das, was seiner Natur nach niemals Ware sein darf. Hier liegt die Wurzel des entwürdigenden Abhängigkeitsverhältnisses der Arbeitnehmer und ihrer damit verbundenen weitgehenden Ausbeutung, Verarmung und Verelendung weltweit. Sie ist einer der Kernpunkte der sozialen Frage, der als sozialer Explosionsstoff Not und Zerstörung erzeugend weiterschwelen wird, solange die ihm zugrunde liegende Ursache bestehen bleibt. Es ist eine ungeheuer sozial destruktiv wirkende Macht, die von dieser Form des Kapitals – bei aller positiven Leistung – auf das soziale Leben der Menschen ausgeht (vgl. Arbeitsmarkt).

Doch nicht nur nach innen in den sozialen Zusammenhang des Unternehmens, sondern auch nach außen in die Gesamtgesellschaft wirkt die von der heutigen Eigentumsform des Kapitals ausgehende Macht sozial zerstörerisch. Dadurch, dass die vielfach großen Gewinne allein dem Eigentümer zufließen, kann dieser riesige Vermögen bilden, die sich durch weitere System-Elemente leistungslosen Einkommens wie Zins- und Zinseszins (vgl. Zinssystem), Anlagen in rentablen Immobilien (s. Grund und Boden) und Beteiligungen bei anderen Unternehmen (Aktienrecht) ohne eigene Arbeit ständig vermehren. Es erweitert sich so seine wirtschaftliche Macht, die die Möglichkeit bietet, hinter den Kulissen oder über eigene Medienkonzerne die politische Macht maßgeblich zu beeinflussen, in ihren Dienst zu stellen oder auch direkt zu gestalten. Hier, im Privateigentum am Kapital, liegt die Wurzel der plutokratischen Herrschafts-Verhältnisse, die heute in allen Ländern mit kapitalistischem Wirtschaftssystem vorherrschen und sich dessen, was Demokratie genannt wird, als Fassade bedienen (vgl. Fassade Demokratie). …

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