Warum gilt Geld?

Geldphilosophie Warum kleben wir am Geld? Warum klebt das Geld an uns? Was haben Schulden und Schuld gemein? Können wir uns vom Geld befreien? Christoph Türcke stellt die Geldfrage.

– wwalkie

(…) Beginnen wir mit dem Anfang des Geldes, mit der von Türcke so genannten „Urzahlung“. Sein berühmter Kollege Georg Simmel hat allerdings vor über hundert Jahren in seiner “Philosophie des Geldes“ davor gewarnt, jene Frage nach der Entstehung zu stellen, denn diese gehört in die Geschichte, nicht in die Philosophie. Erschwerender kommt hinzu , dass sich die Geschichtswissenschaftler angesichts der Quellenlage alles andere als sicher sind. Der Autor begibt sich also ins Dunkel der frühen Geschichte. Er weiß, dass er das Risiko der Spekulation auf sich nimmt.

Sich auf Freud beziehend postuliert er den (vergeblichen) Versuch spätsteinzeitlicher Menschen, Naturschrecken durch ritualisierte Wiederholung abzuwenden, und zwar durch ein Menschenopfer. Die Logik der Zahlung ist die Logik des Opfers. Dies erzeugt allerdings eine Schuld, die nur durch eine neue Schuld gelindert werden kann.Eine Kette von Zwangshandlungen entsteht. Die Verbindung von Geld und Neurose deutet sich an.

Die neolithische Revolution ermöglicht endlich die Ersetzung der Opfer. Tiere werden damit zum ersten „Realäquivalent“. Die Opfer werden allmählich profanisiert. „Viehmäßige“ (pecunia) Gaben treten an die animalische Stelle. Das Opfer tritt in das Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit ein. Das „Templum“, der heilige Bezirk, empfängt metallene Gaben (Tierfiguren, Opferbratspieße, Dreifüße). Die Priester bekommen die Aufgabe, den so entstehenden Tempelschatz (der nicht mehr gegessen werden kann) zu bewachen und zu verwalten.

Während der Schatz gemäß der Gabenlogik wächst, werden die Tempel immer repräsentativer (im Wortsinn). Für die Entgeltung des Baumaterials wird Tempelgut verwendet. Daraus ergibt sich wiederum die Notwendigkeit der Bemessung… und des Zinses: das Eigentum der Gottheit muss vom Händler mit Gebühr zurückgegeben werden. Das klingt schlüssig, ist jedoch so nicht belegbar. Kurz: Der Frevel der Entwendung geweihten Eigentums wird allmählich zur guten Sitte und die Sitte zum epochemachenden Geschäftsmodell. Schon bei Hammurabi lässt sich dessen sakrale Herkunft kaum noch erkennen. Und diese sollte bis heute vergessen bleiben. …

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