Poker um Griechenland: Der tickende Zeitzünder im Hintergrund

Varoufakis riskiert den Grexit… Tsipras provoziert den Graccident… Die Pokertaktik der Syriza reißt Europa in den Abgrund…

– Ernst Wolff

Ein ums andere Mal bläuen die Mainstream-Medien ihrem Publikum in diesen Tagen ein, dass die griechische Regierung Europas Zukunft gefährdet, weil sie ihren Gläubigern eine Einigung im Schuldenstreit verweigert. Viele Menschen sind inzwischen überzeugt, dass das Problem einzig und allein an der starren Haltung von Finanzminister Varoufakis und seinem Premier Tsipras liegt und nur durch ein Erzwingen ihres Entgegenkommens gelöst werden kann.

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein als diese Annahme. Selbst wenn Syriza sich den Bedingungen der Troika aus IWF, EU und EZB zu einhundert Prozent unterwerfen und die Renten ein weiteres Mal kürzen, die Mehrwertsteuer erhöhen und den Mindestlohn senken würde, wäre keines der Probleme des Landes gelöst. Im Gegenteil: die Durchsetzung dieser Maßnahmen würde auf direktem Weg in einen Volksaufstand und möglicherweise in einen Bürgerkrieg führen.

Griechenlands Probleme sind unlösbar

Der Grund für die Ausweglosigkeit der gegenwärtigen Situation lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Probleme um Griechenland sind nur ein Teil der Probleme der Eurozone und unter den gegebenen Bedingungen, d.h. im nationalen Rahmen, unlösbar. Grund ist, dass die Finanzindustrie durch die Deregulierung des Bankensektors, die Einführung des Euro und eine Orgie hochriskanter Spekulationsgeschäfte die wirtschaftlichen und finanziellen Grundlagen Europas ausgehöhlt und nachhaltig zerstört hat.

Der gesamte Kontinent befindet sich heute in den Händen internationaler Großbanken, Hedgefonds und anderer Finanzinstitutionen. Sie allein bestimmen, wer die einzelnen Länder regiert. Spurt eine Regierung nicht, wird sie mit Hilfe der „Finanzmärkte“ zu Fall gebracht. Die Übernahme von Bankschulden durch öffentliche Einrichtungen, d.h. die Übertragung privater Schulden auf die Allgemeinheit, war ein von der Finanzindustrie gefordertes und durch ihr hörige Politiker ausgeführtes Verbrechen von historischem Ausmaß.

Auch die Art, wie Griechenland unter Mithilfe von EU-Bürokraten und Goldman-Sachs-Bankern in die EU aufgenommen wurde, war kriminell und dazu im Sinne der deutschen Finanzelite, deren Exportwirtschaft davon profitiert, wenn wirtschaftlich schwache Länder sich der EU anschließen und den Euro auf diese Weise schwächen. Ebenso gegen Recht und Gesetz verstößt die seit 2010 bestehende Zwangsverwaltung Griechenland durchs die Troika aus EU, EZB und IWF, die dem Land innerhalb von vier Jahren sechs Sparprogramme auferlegt hat, ohne den Verursachern der Krise auch nur ein Haar zu krümmen.

Wenn Politiker wie der von Talkshow zu Talkshow eilende SPD-Mann Martin Schulz der griechischen Regierung in diesen Tagen öffentlich vorwerfen, sie habe die Milliardäre im eigenen Land nicht zur Kasse gebeten, dann zeigt das vor allem ihre Verlogenheit. Die von Schulz und seinen Kollegen mitgetragenen Sparpakete haben nie am Vermögen ultrareicher Griechen gekratzt, aber die Lebensverhältnisse der arbeitenden Menschen drastisch verschlechtert und die Lebengrundlagen der schwächsten und hilfsbedürftigsten Mitglieder der Gesellschaft auf unmenschliche Weise zerstört. Wenn Schulz darüber hinaus behauptet, dass Griechenland vor der Regierungsübernahme durch Syriza auf einem guten Weg gewesen sei, dann ist das ebenfalls unwahr: Die finanzielle Situation des Landes hat sich seit 2010 kontinuierlich verschlechtert. …

http://antikrieg.com/aktuell/2015_06_18_poker.htm

This entry was posted in Geldsystem, Gerechtigkeit, Politik, Propaganda and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply