Krieg um jeden Preis – Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror

Missing Link: Transkription und deutsche Übersetzung des Telefon-Interviews mit James Risen

Berichterstattung über das Verschwinden von etwa 10 Milliarden US-Dollar Bargeld, durch die US-Regierung beauftragt, von der Fed gedruckt, von der USAF nach Irak geliefert und dort von der US-Militärverwaltung in dunkle Kanäle spurlos eingespeist, ist nur eines der journalistischen Bravourstücke James Risens, die in diesem Interview mit KenFM-International-Reporter Dirk Pohlmann zur Sprache kommen.

James Risen hat als Investigativ-Journalist für zwei der bedeutendsten US-Zeitungen gearbeitet, erst für die Los Angeles Times und später für die New York Times. Er ist zweimal mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden, dem Presse-Äquivalent zum Oscar. Zum einen für seine Berichte über den 11. September, zum anderen über die Aufdeckung von NSA-Programmen zur Ausspähung von US-Bürgern durch die NSA – bereits 2006, also lange vor Snowden. Seine Bücher, die sich meist mit der CIA beschäftigen, sind Bestseller. Sein neuestes Buch „Krieg um jeden Preis – Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror“ war sowohl in den USA wie auch in Deutschland unter den Top Twenty.

Ist wirklich jemand überrascht, dass James Risen in den USA, dem selbsternannten „Land of the Free and Home of the Brave“, juristisch verfolgt wird? Die US-Justiz erweist sich als williger Helfer, wenn es darum geht, Whistleblower wie Chelsea Manning, Julian Asssange oder Edward Snowden möglichst lebenslang im Gefängnissystem der USA einzukerkern und zu ruinieren. Die Duftnote „Politischer Schauprozess“ umgibt die United Soviet Union of America spätestens seit der Amtszeit des Lügen- und Angriffskriegs-Präsidenten George W. Bush, aber auch unter dem Drohnenmordpräsidenten Barack Obama, der ihm auf diesem Kurs gefolgt ist.

Seit 2008 steht James Risen vor Gericht. Der Staatsapparat der USA will ihn zwingen, eine Quelle seiner Enthüllungen preiszugeben. Risen wehrt sich standhaft. Ein Zeugnisverweigerungsrecht und Quellenschutz für Journalisten, an deutschen Universitäten als Wesenskern eines demokratischen Rechtsstaates bezeichnet, gibt es in den USA nicht. Zum Glück aber mutige Journalisten wie James Risen.

Missing Link: Telefon-Interview von Dirk Pohlmann mit James Risen (Krieg um jeden Preis)

DP: Dirk Pohlmann / JR: James Risen

DP: Hier ist KenFM-International und unser Gast ist heute James Risen, zweimaliger Pulitzer-Preis-Gewinner und Autor des Buches „Krieg um jeden Preis – Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror“. Guten Tag, Mr. Risen, wir freuen uns sehr, Sie heute bei uns begrüßen zu können.

JR: Vielen Dank für die Einladung.

DP: Ihr Buch war auf Platz 18 der US New York Times Bestsellerliste und hat es bis auf den 9. Platz in Deutschland geschafft. Sie sind jetzt in Deutschland also noch prominenter als in den USA, obwohl ich bezweifle, dass der Pulitzerpreis …

JR: Das ist hervorragend, vielen Dank!

DP: Vielleicht können Sie uns ein wenig über sich selbst erzählen, wer Sie sind und über Ihren beruflichen Hintergrund.

JR: Ich bin ein Investigativ-Reporter für die New York Times in Washington, ich habe vier Bücher geschrieben, „Krieg um jeden Preis“ ist mein viertes Buch, über die Kosten durch Betrug beim Krieg gegen den Terror. Mein vorheriges Buch „State of War“ führte zu einer sehr langen staatsanwaltlichen Ermittlung gegen mich, es war ein sieben Jahre langer Kampf, den ich mit der US-Regierung auszutragen hatte, weil ich meine Informanten nicht offenlegen wollte.

DP: Das ist ein journalistisches Grundrecht in allen zivilisierten Staaten, warum war das ein Problem in den Vereinigten Staaten?

JR: Weil es kein Bundesgesetz in den USA gibt, dass Journalisten erlaubt, ihre Quellen zu schützen. Es gab eine Reihe von Entscheidungen in der letzten Zeit, die sich gegen Journalisten richteten, besonders in meinem Fall, da bekämpfte mich die Obama-Regierung mit einer Gerichtsverfügung. Entweder ich würde meine Informanten preisgeben, oder ich müsste ins Gefängnis. Ich habe abgelehnt, meine Quellen zu benennen, bis heute, und die Regierung war kurz davor, mich ins Gefängnis zu stecken, aber dann haben sie es doch nicht gemacht, weil sie so viel negative Publicity dafür bekamen.

DP: Das ist eine sehr merkwürdige Situation, weil in der Journalistenausbildung in Deutschland beigebracht wird, dass die Vereinigten Staaten das Mutterland der freien Presse sind, aber es scheint von der rechtlichen Seite problematischer zu sein als in Deutschland oder England.

JR: Ja.

DP: Aber warum sind Sie so gefährdet, was schreiben Sie in Ihren Büchern, das Sie zum Ziel der Regierung und ihres Justizapparates macht?

JR: Ich habe über Geheimdienste berichtet, ein großer Teil meiner Karriere als Journalist habe ich mich mit der CIA, Spionage, der NSA beschäftigt, und das sind sehr heikle Themen. Ich bin ein investigativer Journalist, der versucht, etwas über die US-Geheimdienste herauszubekommen, und einiges von dem, was ich enthüllt habe, passte der US-Regierung überhaupt nicht. Das führte dazu, dass sie mich ins Visier nahmen, mich, aber auch andere Journalisten, die andere Sachen über die US-Geheimdienste herausbekommen haben. …

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