Die Logik des neuen Kalten Krieges – Teil 8

Die Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Epoche der Supragesellschaften. Heute beanspruchen die USA die globale Vorherrschaft für sich.

Doch mit dem Iran, China und Russland befinden sich weitere Spieler auf der Bühne. Können diese einen kulturellen Gegenentwurf zum Neoliberalismus formulieren? Dr. Hauke Ritz geht im 8. Teil seiner Serie „Die Logik des neuen Kalten Krieges“ auf diese Frage ein.

– Hauke Ritz

Teil VIII: China und Iran und die globale Supragesellschaft

US-Präsident Barack Obama hatte in letzter Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten davon gesprochen, dass die TPP und TTIP Freihandelsabkommen geschlossen werden müssten, um China daran zu hindern, die Standards des 21. Jahrhunderts festzulegen.[1] Allerdings bezieht sich Obama mit dem Begriff „Standards“ nicht auf die Normgrößen von Netzsteckern und Anschlussbuchsen.

Was Obama mit dem vieldeutigen Begriff „Standards“ umschrieben hat, ist nichts anderes als das Zivilisationsmodell des 21. Jahrhunderts. Der neue Kalte Krieg ist von den USA begonnen worden und wird von großen Teilen der westlichen Eliten unterstützt, weil das bestehende Zivilisationsmodell unangetastet bleiben soll. Es soll weder modifiziert noch in Frage gestellt werden. Und dies schon gar nicht von solchen Mächten, die – wie Russland und China – schon einmal ein Gegenmodell zum Westen vertreten haben.

Um zu verstehen, um was für ein Zivilisationsmodell heute eigentlich gerungen wird, müssen wir uns über einen grundlegenden Wandel der europäischen Staatlichkeit Klarheit verschaffen. Es handelt sich um eine Veränderung, die relativ neu und deshalb noch nicht ins allgemeine Bewusstsein gerückt ist.

Der Zweite Weltkrieg war der letzte große Krieg, in dem Nationen eine bedeutende Rolle gespielt haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sowohl im Osten als auch im Westen Formen der Verwaltung, die der sowjetische Philosoph und Dissident Alexander Zinoviev auch als Supragesellschaft bezeichnet hat.[2] Es handelte sich um zivilisatorische Einheiten, die transnational verfasst sind und somit mehrere Staaten und Nationen überspannen. Genau genommen war die Sowjetunion bereits vor dem Zweiten Weltkrieg eine Supragesellschaft gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss sie auch die ehemals osteuropäischen Staaten mit ein. Und auch im Westen entstand in Gestalt der NATO und der Europäischen Gemeinschaft und späteren Europäischen Union eine Supragesellschaft.

Supragesellschaften übernehmen in vielerlei Hinsicht Aufgaben des Nationalstaates. Doch darüber hinaus haben sie Eigenschaften an sich, die sie von jedem Nationalstaat grundsätzlich unterscheiden. Denn die Ausdehnung vom Nationalstaat zur Supragesellschaft ist nicht nur ein Zuwachs an Größe. Es kommt zum Umschlag von Quantität in eine neue Qualität. …

https://deutsch.rt.com/meinung/38855-rt-deutsch-spezial-logik-neuen/

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