Systematischer Massenmord

Vor 75 Jahren begannen die Nazis mit der Deportation von Juden aus dem Deutschen Reich

– Knut Mellenthin

Vor 75 Jahren, am 15. Oktober 1941, begann die deutsche Regierung mit der massenhaften und systematischen Deportation der Juden aus dem »Altreich«. Das Ziel der Transporte war zunächst das Ghetto in der seit September 1939 besetzten polnischen Stadt Lodz. In einer zweiten Welle, die am 8. November 1941 begann, fuhren Züge aus deutschen Großstädten nach Riga und Minsk in jenem Teil der Sowjetunion, den die Wehrmacht nach dem Überfall vom 22. Juni 1941 erobert und unter Kontrolle gebracht hatte. Mehrere tausend Juden, die gemäß der ursprünglichen Planung nach Riga gebracht werden sollten, kamen statt dessen nach Kowno, litauisch Kaunas, und wurden dort zusammen mit einheimischen Juden von deutschen Mordkommandos erschossen. Die Ermordeten waren Deportierte aus Berlin, Breslau, Frankfurt am Main, München und Wien.

Die großen Vernichtungslager auf polnischem Boden wie Auschwitz, Belzec, Treblinka, Kulmhof (Chelmno), Sobibor und Majdanek waren zu dieser Zeit noch im Aufbau. Das erste von ihnen, das für den Mordapparat »in Betrieb genommen« wurde, war im Dezember 1941 Kulmhof. Getötet wurde dort mit Autoabgasen. Die meisten der rund 20.000 Juden aus dem »Altreich« sowie aus Wien und Prag, die während der ersten Deportationswelle nach Lodz verschleppt worden waren, wurden wenig später in Kulmhof umgebracht. Mehrere tausend andere starben aufgrund der Verhältnisse im Ghetto, insbesondere durch Unterernährung, Kälte und fehlende medizinische Versorgung.

Der Begriff »Altreich« kam im März 1938 in Gebrauch. Er bezeichnete Deutschland in den Grenzen vor dem damals vollzogenen »Anschluss« Österreichs, im Gegensatz zum »Großdeutschen Reich«. Zu diesem gehörten, neben Österreich und den im Oktober 1938 annektierten »Sudetengebieten« der Tschechoslowakei, auch Teile des im September 1939 von der Wehrmacht besetzten Polens. Die Stadt Lodz beispielsweise, das Ziel der ersten Deportationswelle im Oktober 1941, lag im neugeschaffenen Reichsgau Wartheland. Im gesamten besetzten Polen, auch in den ins Deutsche Reich eingegliederten Gebieten, hatten die Deutschen schon im Herbst 1939 mit Deportationen und Massenmorden begonnen, deren Opfer nicht allein polnische Juden, sondern auch Zehntausende nichtjüdischer Polen waren. Um im stark überfüllten Ghetto von Lodz Platz für die neu ankommenden Deportierten zu schaffen, waren zuvor mehrere tausend der bisherigen Bewohner in der Umgebung der Stadt erschossen worden. …

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