Die neue Zugmaschine der Menschheit

Wo bleiben Arbeit und Arbeitsmotivation in Zeiten der Robotisierung? Statt durch Sozialleistungen im Status quo zu verharren, sollten wir einen neuen Aufbruch wagen.

– Fabian Herrmann

Seit Entstehung der ersten menschlichen Gesellschaften vor rund zehntausend Jahren mussten diese das Grundproblem der Arbeitsmotivation lösen: Wie bewegt man Menschen dazu, zermürbende, langweilige oder sogar gefährliche Arbeit zu verrichten, die für das Fortdauern der Gemeinschaft unverzichtbar sind?

Straßen müssen geputzt, Müll entsorgt, Erz abgebaut, Bäume gefällt, Felder bestellt, Mauern errichtet werden. In jeder komplexen Gesellschaft fallen Abertausende von frustrierenden Verwaltungsaufgaben an. Irgendjemand muss die Abwasserkanäle freischaufeln, Leder gerben, auf die Schweineherde aufpassen, die Soldlisten der Armee führen – und so weiter. Vermutlich fiel der größte Teil der im Lauf der Geschichte in den verschiedenen Staaten weltweit zu leistenden Arbeitsprozesse unter mindestens eine der Kategorien: langweilig, aufreibend oder gefährlich.

Man ersann verschiedene Methoden, Arbeitskräfte zu finden und anzuspornen. In der Antike war die Sklaverei verbreitet. Man besiegte ein fremdes Volk, verschleppte die Bevölkerung und schärfte ihr ein: Arbeitet für uns, sonst bekommt ihr kein Essen, werdet ausgepeitscht oder sogar umgebracht. Eine krude, aber recht effiziente Motivationsmethode. Im Inkareich stand sogar für die eigenen Bürger auf Faulheit die Todesstrafe. Ähnlich mussten sich die hörigen Bauern im europäischen Mittelalter ins Zeug legen, um nicht nur sich und ihre Familie zu ernähren, sondern auch die geforderten Abgaben an den Grundherren zu zahlen. Es sei allerdings bemerkt, dass die Bauern nicht die ganze Zeit über hart zu arbeiten brauchten: Im Winter gab es weniger zu tun, sie konnten sich während der kalten Monate längere Ruhepausen gönnen.
Arbeitsmotivation in der Moderne

Zugleich entstand in den Städten mit ihren Handwerksgilden und Handelskammern ein neues Motivationssystem, das sich über den Merkantilismus im 18. Jahrhundert allmählich zum modernen Kapitalismus entwickelte: Man setzte nicht mehr auf Bestrafung, sondern auf Belohnung. Die Arbeiter und Angestellten bekamen für ihre Leistung Löhne ausgezahlt – die Pseudoressource Geld. („Pseudo-“, da weder Goldmünzen und noch viel weniger Papierscheine einen inhärenten Wert haben, sie erhalten ihn nur durch die gesellschaftliche Vereinbarung, dass man sie gegen Güter und Dienstleistungen eintauschen kann.) Wer viel arbeitet, erhält viel Lohn und genießt dadurch einen hohen Lebensstandard; wer weniger arbeitet, dem stehen auch weniger Güter und Dienstleistungen zur Verfügung (bzw. sollte es so wenigstens in der Theorie funktionieren). Dieses Motivationsschema erwies sich als äußerst effizient, weswegen es inzwischen weltweit in den meisten Staaten in verschiedenen Formen realisiert wurde. Basierend auf dem kapitalistischen Belohnungsansatz konnte der Lebensstandard in phantastischem Maße gesteigert werden und es gelangen enorme technologische Durchbrüche. …

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