Ein Plädoyer für das Ende staatlicher Wachstumspolitik

Eines der Primärziele der deutschen Wirtschaftspolitik ist seit jeher die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums.

– Michael Neumann

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt hierzulande eine verlässliche Wachstumsrate im  niedrigen einstelligen Bereich. Auch von den Krisenjahren, die auf den globalen Zusammenbruch der Finanzmärkte folgten,  erholte sich die deutsche Wirtschaft rasch und nimmt in der Europäischen Union seit Jahren wieder eine Vorreiterposition in Sachen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ein. Davon sollte eigentlich auch der einzelne deutsche Bundesbürger profitieren. Schließlich wächst mit der Wirtschaftsleistung im Durchschnitt auch das individuelle Einkommen; und damit steigt der Verfügungsrahmen für den Konsum von Waren und Dienstleistungen. Der Bundesbürger hätte demzufolge allen Grund, mit jedem Zuwachs an Einkommen ein wenig glücklicher zu werden. Doch laut den Ergebnissen der empirischen Glücksforschung entspricht das nicht der Realität.

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Dass  Einkommen allein nicht glücklich macht, und dass mehr Einkommen einen Menschen (langfristig) daher auch nicht glücklicher werden lässt, ist keine Entdeckung aktueller Studien. In der Literatur ist dieses Phänomen als das Easterlin-Paradoxon schon seit langem bekannt. Richard Easterlin (1974) untersuchte in einer internationalen Langzeitbefragung den Zusammenhang von Wohlbefinden und Wohlstand – und er fand erstaunlicherweise eben keinen langfristigen positiven Zusammenhang.

Dieses auf den ersten Blick merkwürdige Ergebnis konnte er nicht erklären, äußerte aber die Vermutung, dass der Status und damit die relative Position in der Gesellschaft eine bedeutende Erklärungsgröße für die Lebenszufriedenheit des Einzelnen sei; und dass zudem unbewusste Anpassungs- bzw. Gewöhnungseffekte an Wohlstand das Wohlbefinden schließlich auf einem unveränderten Level beruhen ließen. Letzteren Gedanken erklärt die sogenannte Adaptionstheorie: Wer auf der Einkommensleiter nach oben klettert, wird durch jeden Einkommenszuwachs zufriedener. Doch dieser Effekt ist kurzfristiger Natur, da der Mensch sich an das zusätzliche Einkommen schnell gewöhnt. Sein Wohlbefinden geht dann stets wieder zurück auf das Ausgangsniveau. So strampeln die Menschen – nach der Theorie der Glückforscher – wie in einer Tretmühle erfolglos ihrem Glück nach. Sie strampeln sich ab, erzielen zunehmend höhere Einkommen, werden aber nicht dauerhaft glücklicher. …

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