»Erlösung vom Terror«

Christen und Muslime feiern in Syrien das diesjährige Weihnachtsfest. Besonders ­emotional waren die Feiern in Aleppo

– Karin Leukefeld

Bereits in den Tagen vor dem 25. Dezember, dem in Syrien hauptsächlich gefeierten Weihnachtstag, waren an vielen Plätzen Aleppos Weihnachtsbäume errichtet worden, um die sich Menschen versammelten. Der Abzug von Tausenden Kämpfern aus dem Osten der Stadt hat die Hoffnungen auf Frieden im neuen Jahr erhöht. Eindrücklich war der Weihnachtsgottesdienst in der schwer beschädigten ostkatholischen Kathedrale des Heiligen Elias in Dschdeide in der Altstadt von Aleppo. Dort hatte die Gemeinde aus dem eingestürzten Dach des Kirchenschiffes eine Krippe gebaut, um die sich Hunderte Menschen versammelten.

Der griechisch-orthodoxe Patriarch Johannes Yazigi dankte den Menschen von Aleppo für ihre »Standhaftigkeit« und dass sie zu ihrem Land gehalten hätten. Nur so sei »die Erlösung vom Terror« möglich gewesen. Der melkitische griechisch-katholische Erzbischof Joseph Absi äußerte die Hoffnung, dass der Prozess der nationalen Versöhnung im ganzen Land wieder zu »Sicherheit, Glück und Wohlstand« führen könne. Erinnert wurde auch an die beiden Bischöfe Gregorius Johanna Ibrahim und Bulos Jasidschi (auch: Boulos Yazigi), die 2013 entführt worden waren und seitdem als vermisst gelten.

In Rom verurteilte Papst Franziskus »die Vergötterung des Geldes«, unter der so viele Menschen litten. Schon früher hatte der Papst Rüstungsexporte und Waffenhändler kritisiert, die mit dem Leid der Menschen auch in Syrien viel Geld verdienten. »Es ist höchste Zeit, dass die Waffen in Syrien für immer schweigen«, sagte der Papst bei seiner Weihnachtsansprache. Die »internationale Gemeinschaft« müsse »aktiv nach einer Verhandlungslösung« suchen, um die »zivile Koexistenz« der Bevölkerung wiederherzustellen. Er wünsche »allen Völkern Frieden, die unter den Wirtschaftsinteressen einiger weniger zu leiden haben«, so Franziskus. Die Menschen litten ausschließlich »wegen der Gier und der Vergötterung des Geldes«.

Am Dienstag teilte das russische Verteidigungsministerium mit, dass im Osten von Aleppo ein Massengrab gefunden worden sei. Die Toten seien offensichtlich gefoltert und misshandelt worden, hieß es in einer ersten Erklärung. Alle wiesen Schusswunden auf, vielen fehlten Körperteile. …

https://www.jungewelt.de/2016/12-27/001.php

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