Daten in Bürgerhand

Vorabdruck. Große Internetkonzerne verfügen nach Belieben über private Informationen ihrer Kunden. Eine fortschrittliche Netzpolitik muss über den Aufbau alternativer Strukturen nachdenken

– Thomas Wagner

In den kommenden Tagen erscheint im Kölner Papy-Rossa-Verlag von Thomas Wagner die Streitschrift »Das Netz in unsere Hand! Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie«. Wir veröffentlichen daraus mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autor die um die Fußnoten gekürzte Einleitung. (jW)

»Der Schlaf der Vernunft wird bis zu dem Tag anhalten, an dem eine Mehrheit der Einwohner unseres Landes am eigenen Leib erfährt, was ihnen widerfahren ist. Vielleicht werden sie sich dann die Augen reiben und fragen, warum sie die Zeit, zu der Gegenwehr noch möglich gewesen wäre, verschlafen haben.« (Hans Magnus Enzensberger, FAZ vom 28.2.2014)

»Wir bräuchten ein gebührenfinanziertes öffentlich-rechtliches Facebook, Whats-App oder was auch immer.« Die deutsche Bundeskanzlerin schien kaum glauben zu können, was die Medienwissenschaftlerin Petra Grimm gerade vorschlug. Und hakte nach: »Aber es soll doch nicht so wie beim Fernsehen sein, dass man da so eine Art Zwangsmitgliedschaft hat, oder? Das würde man heute schwerlich rechtfertigen können«, wies Angela Merkel die Leiterin des Stuttgarter »Instituts für Digitale Ethik« sogleich in die Schranken.

Wir schreiben den 5. Juni 2015. Stuttgart beherbergt den 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die Kanzlerin war angereist, um 9.000 Besuchern in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle und ungezählten Fernsehzuschauern der vom ZDF übertragenen Podiumsdiskussion »Digital und klug?« ihre Sicht auf die rasant voranschreitende Umwälzung der Gesellschaft zu erläutern. Obwohl es dabei nicht zuletzt um die wichtige Frage ging, wie die privaten Daten der Bundesbürger vor dem Zugriff US-amerikanischer Geheimdienste geschützt werden können, war die Veranstaltung bis zum besagten Moment intellektuell und politisch wenig anregend gewesen. Der aus verschiedenen Fernsehformaten bekannte Physiker Harald Lesch hatte vor allem Allgemeinplätze geäußert und die Moderatorin nur wenig nachgebohrt. Es blieb der Medienwissenschaftlerin Grimm überlassen, den immer noch weit verbreiteten Irrtum zu korrigieren, dass die von privaten Unternehmen angebotenen Dienste im Internet kostenlos seien. Die Nutzer zahlten mit ihren Daten und machten sich damit mittelbar zum Gegenstand der Überwachung durch Behörden und interessierte Firmen. Aber gibt es dazu eine Alternative? …

https://www.jungewelt.de/2017/01-30/056.php

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