Ökonomie im Kontext des menschlichen Naturverhältnisses – 2

Die verfügbaren Techniken zur Nutzung erneuerbarer Energie sind nicht in der Lage, den Energiefluss zu gewährleisten. Umso mehr bedarf es einer Überwindung der systemtechnischen Naivität und großer Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.

– Rainer Fischbach

Die heute verfügbaren Techniken zur Nutzung regenerativer Energiequellen sind insbesondere in den gemäßigten Klimazonen nicht dazu in der Lage, die Beständigkeit, den Durchsatz und die Dichte des Energieflusses zu gewährleisten, den sowohl die urbanen Agglomerationen als auch wesentliche industrielle Prozesse, etwa zur Herstellung und Verarbeitung metallischer, keramischer und, auf der Basis von Kohlenwasserstoffen hergestellter, synthetischer Werkstoffe oder auch von Halbleitern erfordern.

Das bedeutet, dass der jeweilige Bedarf nicht lokal mittels unmittelbar aus regenerierbaren Quellen gewonnener Energie zu befriedigen ist. Notwendig ist immer eine Verstetigung und raum-zeitliche Verdichtung des Energieflusses, die ein Verbundnetz mit umfangreichen Speicherkapazitäten erfordert. Eine Anforderung, die die ohnehin schon geringen Erntefaktoren (EROI, Energy Return on Investment) der diversen Techniken zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen noch einmal reduzieren [Smil 2016, 249-255; Kelly 2016].

Von einer Infrastruktur von Speichern und Reservekapazitäten mit der Elastizität, die ein Umstieg auf 100% erneuerbare Energie erfordern würde, sind Deutschland und die europäischen Länder Jahrzehnte, eine Reihe von ausstehenden technologischen Durchbrüchen und Investitionen in der Größenordnung von Hunderten Milliarden Euro entfernt. Gemessen an dem Ziel, bis 2050 80% der Energieversorgung zu dekarbonisieren, ist bereits sehr viel Zeit verflossen. Das heißt, dass dieses Projekt schon von Anfang an aus dem Ruder gelaufen ist.

Die heute verfügbaren Reservekapazitäten sind extrem unflexibel: Kraftwerke mit Dampfturbinen müssen, gleichgültig ob der Dampf mit Kohle oder Kernenergie erzeugt wird, durchlaufen, weil das Hochfahren solcher Turbinen viele Stunden dauert. Gasturbinen lassen sich zwar kurzfristig hoch- und herunterfahren, doch um den Preis verkürzter Lebensdauer und verringerter Effizienz. Einen hohen Wirkungsgrad haben Gaskraftwerke nur, wenn man aus dem Kühlkreislauf der Gasturbinen zusätzlich Dampfturbinen speist, die wiederum nicht schnell anlaufen können. Das heißt, ein hoher Wirkungsgrad verlangt auch hier den Dauerbetrieb. Die Alterung von Gasturbinen wird weniger durch die Zahl der Betriebsstunden, sondern durch die Zahl der Anlaufvorgänge beeinflusst. Dadurch ist auch, neben der geringen Effizienz der Elektrolyse und Methansynthese, ein weiterer Faktor gegeben, der den Wirkungsgrad der Power-to-Gas-Technik (P2G) begrenzt.

So erweist sich das derzeit bevorzugte Szenario einer eines Umstiegs auf 100% erneuerbare Energien als mit hohen Investitionskosten bei geringer Energieausbeute belastet. …

https://makroskop.eu/2017/04/oekonomie-im-kontext-des-menschlichen-naturverhaeltnisses-2/

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