Ein Leben für den Kalten Krieg

Der ehemalige US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski stirbt friedlich im Bett. Seine Ziehsöhne morden weiter

– Reinhard Lauterbach

Der einflussreiche Politologe, Geopolitiker und Berater mehrerer US-Präsidenten Zbigniew Brzezinski ist tot. Er starb am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren in einem Krankenhaus im US-Bundesstaat Virginia.

Brzezinski wurde 1928 in Warschau als Kind eines polnischen Diplomaten geboren. Die Familie war adlig, ihre Besitztümer lagen im damaligen Ostgalizien, das heute zur Ukraine gehört. Seine frühe Kindheit verbrachte Brzezinski mit seiner Familie in Leipzig, wo sein Vater polnischer Konsul war, bevor dieser für die Jahre 1936 bis 1938 an das Konsulat im ukrainischen Charkiw (russisch: Charkow) wechselte und anschließend als Generalkonsul nach Montreal in Kanada versetzt wurde, wo er auch nach 1945 blieb. Den jungen Brzezinski zog es in der Hochzeit des Kalten Krieges in die USA an die Harvard-Universität.

Die Kindheitsjahre im Charkow der Stalinschen Säuberungen werden auch in Brzezinskis offiziellen Biographien als prägend für die zu seinem Markenzeichen gewordene Russophobie genannt. Was die Biographen in der Regel außer acht lassen, ist der praktische Effekt, den die Folgen des Zweiten Weltkriegs auf die Familie hatten. Brzezinski ist der Erbe eines adligen Alteigentümers, der mit dem Ende Zwischenkriegspolens die Basis seines persönlichen Wohlstands verlor.

Den Klassenhass eines enteigneten Adelssprosses machte Brzezinski in den 50er Jahren zum Antrieb einer steilen akademischen Karriere. Er spezialisierte sich auf die Warnung vor dem »Expansionismus« der Sowjetunion, den er teils geopolitisch, teils ideologisch aus dem angeblichen »Wesen des Kommunismus« begründete. Und das nachdem die UdSSR die Komintern 1943 aufgelöst und sich damit endgültig von der »Weltrevolution« verabschiedet hatte. Doch für solche »Warnungen« bestand in den 50er Jahren politische Nachfrage, obwohl Brzezinskis analytische Fähigkeiten, bei Licht betrachtet, mittelmäßig waren. So übersah er in einem Buch von 1962 komplett den heranreifenden Bruch zwischen den KPs Chinas und der Sowjetunion. Es war sein akademischer Konkurrent und Vorvorgänger als Sicherheitsberater, Henry Kissinger, der diese Gelegenheit für die USA erkannte und seinen Präsidenten Richard Nixon ermutigte, die »Entspannung« mit der VR China zu suchen. …

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