Journalisten und die Bilderberg-Konferenz

Nichts wissen, nichts hören, nichts sehen – und doch mittendrin dabei.

– Marcus Klöckner

Die Machteliten dieser Welt kommen derzeit bei der Bilderberg-Konferenz zusammen. Vom 1. bis 4. Juni treffen sich im US-Bundesstaat Virginia Spitzen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Forschung, um hinter verschlossenen Türen über die große Weltpolitik zu sprechen. Aus aktuellem Anlass veröffentlicht Rubikon daher einen Buchbeitrag von Marcus Klöckner, in dem sich unser Autor mit der Frage auseinandersetzt, warum Medien über Jahrzehnte so gut wie gar nicht über die Zusammenkunft der globalen Strategen berichtet haben.

Sie kamen, sie redeten und gingen wieder. Mit diesen Worten ist alles gesagt zu einer der elitärsten Zusammenkünfte der westlichen Welt – der Bilderberg-Konferenz. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn sich Mediennutzer über das Treffen der Mächtigen in den großen Medien informieren möchten. Die »Berichterstattung« über den Bilderberg-Zirkel, der immerhin seit über 60 Jahren existiert, kam lange einer journalistischen Arbeitsverweigerung gleich (und teilweise tut sie das noch immer). Über Jahrzehnte haben Qualitätsmedien so gut wie überhaupt nicht über die Zusammenkunft der »Weltenlenker« und globalen Strategen berichtet oder aber sie lieferten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine Berichterstattung ab, neben der die Beiträge der Kindernachrichtensendung logo! wie ein Graduiertenkolloqium für angehende Doktoranden wirken.

Grundlegende Informationen, die ohne großen Rechercheaufwand verfügbar sind, wurden und werden ignoriert, der Stand der Forschung und Literatur wird außer Acht gelassen und eigene Recherchearbeit wird erst gar nicht geleistet. Die Leidtragenden sind die Mediennutzer und die Demokratie. Warum tun sich Journalisten so schwer, über die Bilderberg-Konferenzen zu berichten? Warum war Bilderberg über viele Jahrzehnte nie wirklich ein Thema für die Medien? Eine Auseinandersetzung mit dieser Frage führt auch zu so mancher Verwerfung im journalistischen Feld.

»Die freie Presse dieses Landes nimmt sich die Freiheit, ein Gremium, in welchem die mächtigsten Männer dieses Landes sich mit Weltpolitik befassen, als eine Art privaten Bridge-Club zu betrachten, der niemand tangiert und niemand etwas angeht.« (Bittorf 1975: 142)

Mit diesen Worten zitierte einst das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« den angesehensten US-amerikanischen Machtstrukturforscher G. William Domhoff. Domhoff bezog sich auf den Council on Foreign Relations (CFR), einen noch immer einflussreichen Thinktank in den USA.

Die Aussage des Zitates lässt sich ohne große Mühe auch auf die Bilderberg-Konferenz übertragen. Wenn sich 150 führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Finanzwelt, Militär, Geheimdiensten, Wissenschaft, Adel und Medien mit Mandatsträgern aus der Politik hinter verschlossenen Türen treffen und über die große Weltpolitik konferieren, dann scheint das für weite Teile der großen Medien die Qualität von einem Kaffeekränzchen zu haben. Dieses Missverhältnis zwischen der medialen Aufmerksamkeit, die der Bilderberg-Konferenz zu teil wird, und ihrer Bedeutung, wird augenscheinlich, wenn man die Berichterstattung über den Elitezirkel mit der über das World Economic Forum in Davos oder die Münchner Sicherheitskonferenz vergleicht. …

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