Kims tödliche Berechnung

Warum Nordkoreas Diktator Kim Jong-un kein Verrückter ist.

– Andrei Lankov

Bei einem Blick in die internationale Presse fällt auf, dass Kim Jong-un sehr häufig mit so wenig schmeichelhaften Adjektiven wie „irrational“ oder „paranoid“ beschrieben wird. Es wird allgemein angenommen, dass Nordkorea gegen seine eigenen Interessen handelt, weil es von einem merkwürdigen, übergewichtigen Mann mit schlechtem Haarschnitt und seltsamen Ideen über die Welt regiert wird. Doch das Bild täuscht. Kim Jong-un sollte sicherlich auf seine Ernährung achten, aber bei politischen Entscheidungen verhält er sich so geschickt, wie schon sein Vater und Großvater.

Die meisten haben vergessen, dass die früheren Herrscher der Kim-Familie auch als „irrational“ bezeichnet wurden. Man hatte ihnen empfohlen, den Beispielen der rationalen und pragmatischen kommunistischen Führer János Kádár oder Michail Gorbatschow zu folgen. Doch heute sehen wir, was mit jenen passiert ist, die als Verkörperung der Vernunft galten: Sie wurden vor langer Zeit gestürzt und im Papierkorb der Geschichte entsorgt – vergessen und verschmäht, während die Kim-Familie noch immer ihr Leben in Palästen und unbegrenzte Macht genießt. Ihre Politik mag seltsam erscheinen, aber diese Menschen verlieren nie ihr wichtigstes Ziel aus den Augen: Ihr Handeln ist in erster Linie darauf ausgerichtet, am Leben und an der Macht zu bleiben. Bisher hat das perfekt funktioniert.

Um zu verstehen, was Kim Jong-un tut und warum, muss man sich die größte Herausforderung für den nordkoreanischen Diktator vor Augen führen. In einfachen Worten ist das die Frage: Wer könnte ihn umbringen lassen oder stürzen? Kim sieht sich drei Bedrohungen ausgesetzt, und seine Politik hat das Ziel, diese Bedrohungen zu minimieren. …

http://www.ipg-journal.de/regionen/asien/artikel/detail/kims-toedliche-berechnung-2069/

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