Was Präsidenten wirklich glaubten – und was sie der Öffentlichkeit sagten

Ken Burns achtzehnstündige Vietnamkriegsdokumentation ist das Gegenteil von ARD und ZDF

– Peter Mühlbauer

Warum Ken-Burns-Dokumentationen sehenswerter sind als andere, lässt sich wie folgt in einem Satz zusammenfassen: Sie sind das Gegenteil dessen, was ARD und ZDF aktuell in diesem Bereich liefern (vgl. Holokaust schreibt man jetzt mit “K”). Und wie die zehnstündige Dokumentationsreihe über den amerikanischen Bürgerkrieg, mit der Burns berühmt wurde, ist auch seine neue Dokumentation über den Vietnamkrieg voll mit Karten, Fotos und Informationen, die für die allermeisten Zuschauer neu sein dürften. Auch dann wenn sie vorher geglaubt hatten, sie wüssten schon alles über diesen Krieg.

Dafür arbeiteten sich Burns und seine Mitarbeiter in zehn Jahren durch über 24.000 Fotografien und mehr als 1.500 Stunden Filmmaterial, das sie nicht nur in amerikanischen, sondern auch in vietnamesischen Archiven fanden. Dass es so viel Material gab, lag auch daran, dass die Dokumentationstechnik zur Zeit der Geschehnisse weiter entwickelt war als die Kontrolle der Medien durch die US-Regierung. Diese Kontrolle verschärfte sich auch aufgrund der Erkenntnisse aus dem Vietnamkrieg, in dem Reporter freier berichten konnten als von heutigen Kriegsschauplätzen.

In der Dokumentation wird das unter anderem durch einen CBS-Beitrag deutlich, der Soldaten beim Abfackeln eines Dorfes bei Đà Nẵng zeigt, während Kinder weinen und alte Leute betteln. Burns zeigt auch die Reaktion des damaligen demokratischen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson darauf, der am nächsten Morgen beim Senderchef anrief und fragte: “Hello Frank, this is your president – are you trying to [überpiepst] me?” Die zahlreichen Mitschnitte von Johnsons Gesprächen zeigen ebenso wie Aufnahmen seines Nachfolgers Richard Nixon, dass das, was Präsidenten und Militärs wirklich glaubten, nicht immer das war, was sie der Öffentlichkeit sagten.

Der Veteran John Musgrave aus Missouri, dessen Erzählungen in der Domumentation ein kleiner Entwicklungsroman sind, meint dazu: “We were probably the last kids of any generation that actually believed our government would never lie to us.” …

https://www.heise.de/tp/features/Was-Praesidenten-wirklich-glaubten-und-was-sie-der-Oeffentlichkeit-sagten-3860761.html

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