„Humanitäre Intervention“: Neusprech für den Angriffskrieg

George Orwells „1984“ ist längst Realität. Krieg wird der Bevölkerung als Frieden verkauft.

– Peter Frey

Vorbemerkung: Mit diesem Artikel tauchen wir erneut in die manipulative, verfälschende Sprache der Propaganda ein (Orwell´sche Sprache). Auch in der Analyse hat diese Sprache Wirkung auf uns. Deshalb benenne ich – dort wo aus meiner Sicht erforderlich – das in wohlformulierter deutscher Sprache konkret die Handlung oder das Tun beschreibende Wort in Klammern hinter dem “Kunstwort”. Sie werden feststellen, dass damit der jeweilige Satz eine teilweise völlig andere Bedeutung erhält und die Ergänzungen eine verblüffend entlarvende Wirkung haben.

War es nur ein Versprecher, als der damalige US-Generalstabschef Colin Powell nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seufzte: „Mir gehen die Dämonen aus. Mir fehlen die Schurken“? Oder hatte er für einen Augenblick durchblicken lassen, wie wichtig Feindbilder für die US-Außenpolitik sind? Nur wenige Jahre später waren sie überall – die Dämonen. Und das NATO-Bündnis hatte wieder Gegner, die das eigene Dasein rechtfertigen konnten. [1]

“Auch westliche Militärs, wie etwa der Nato-Oberbefehlshaber General Shalikashvili, betonen immer wieder, die Nato sei heute und morgen so unentbehrlich wie gestern, um „Dämonen, die uns bedrohen, zu begegnen, sei es Instabilität oder mangelnde Sicherheit, seien es Ereignisse, die wir jeden Tag auf unseren Fernsehschirmen verfolgen, in Nagorni-Karabach oder Bosnien-Herzegowina“. Die Generäle spüren, daß das westliche Bündnis bisher diesem Anspruch nicht gerecht geworden ist, und sie leiden darunter.” [2]

Humanitäre Interventionen (Angriffskriege) sind durch das Völkerrecht nicht gedeckt, ja sogar untersagt (Art. VII der UN-Charta). Um sie trotzdem akzeptabel für die Menschen (der Aggressor-Staaten) machen zu können, ist daher eines zuvor unerlässlich: eine massive, flächendeckende Kriegspropaganda. Und diese muss zu einer Dämonisierung des gewählten(!) Gegners führen. Wenn also die Dämonen ausgehen (wie der spätere US-Außenminister Colin Powell so schön sagte; s.o.), dann müssen halt neue geschaffen werden.

Und das ging ganz schnell, denn die US-amerikanische Aussicht, zum weltumspannenden Hegemon aufzusteigen, bedingte einige militärische Operationen, für die humanitäre Vorwände geschaffen werden mussten. Damit aus dem Angriffskrieg eben eine humanitäre Intervention würde.

Schon im Jahre 1991 war Der Spiegel u.a. auch ein Propaganda-Schmierblatt. Das sei hier etwas ausführlicher belegt:

“Man wird dem Führer des Irak nicht gerecht, man unterschätzt seine Gefährlichkeit, wenn man in ihm nur einen traditionellen Despoten oder einen modernen Diktator sieht. Im Unterschied zu Figuren wie Franco, Batista, Marcos, Pinochet und einem halben Hundert Ihresgleichen, die heute noch in aller Welt an der Macht sind, hat es Saddam Hussein nicht nur darauf abgesehen, ein Volk zu unterdrücken, zu beherrschen, auszubeuten und den Genuß, der darin liegt, so lange wie möglich auszukosten. Alleinherrscher dieser Sorte gehören zum Repertoire der Geschichte, ja man ist versucht zu sagen, zur Normalität der Staatenwelt, so wie wir sie kennen. Diese Monster geben keine Rätsel auf. Sie lassen sich von ihrem Selbsterhaltungstrieb leiten. Insofern gehorcht ihr Vorgehen einem Interessenkalkül, und das macht sie ihrerseits kalkulierbar.” [3]

Wir sind die Guten im Kampf gegen das Böse; diese Denkschablone ist kein alleiniges Phänomen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart. Die Sprache war vor einem viertel Jahrhundert genauso gewalttätig, verlogen und zum Krieg treibend, wie sie es heute auch ist. Die Menschen waren schon damals so sediert und unfähig zu begreifen, in welchem Ausmaß sie manipuliert werden. Die Orwell’sche Durchdringung von Sprache – sie war bereits allgegenwärtig. …

 https://www.rubikon.news/artikel/humanitare-intervention-neusprech-fur-den-angriffskrieg

#Orwell

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