Die Anstalt: „Gegenöffentlichkeit im Leitmedium“

Der Blick auf die soziale Gerechtigkeit scheint die Macher der ZDF-Satire-Sendung die Anstalt anzutreiben. Das wird auch im Interview deutlich, das die NachDenkSeiten mit Dietrich Krauss, dem Macher der Anstalt geführt haben.

Krauss, der zusammen mit den Anstaltskabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner die Konzepte für die Sendungen ausarbeitet, betont im Interview: Soziale Gerechtigkeit sei ein Thema, das im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen müsse, doch stattdessen könne man mitansehen, wie dieses gerade sowohl von Martin Schulz als auch von Journalisten unsichtbar gemacht werde. Ein Gespräch über Politik, Medien und das Innenleben der Anstalt. Das Interview führte Marcus Klöckner.

Für Krauss ist gerade der Tenor in den Medien: „Schulz hat auf soziale Gerechtigkeit als Wahlkampfthema gesetzt, er hat die Wahl verloren, also reden wir jetzt über ein anderes Thema, zum Beispiel: Heimat, Flüchtlinge. Wir reden plötzlich also nur noch über die Themen der Rechten. So betreibt man dann deren Geschäft.“

Herr Krauss, wie gehen Sie vor, wenn Sie das Konzept für eine neue Sendung von der Anstalt ausarbeiten?

In der Woche nach der Sendung treffen wir, also Max Uthoff, Claus von Wagner und ich, uns immer in München. Dann besprechen wir Grundlegendes für die nächste Sendung, also: Welche Themen greifen wir auf oder welche Lektüre gilt es zu lesen? Dann arbeitet sich jeder zunächst ein und schließlich treffen wir uns wieder und fangen an, die Themen genauer auszuarbeiten. Wir überlegen uns: Welche Fragestellungen werfen wir auf? Wie treiben wir diese weiter? Wie können wir das Thema szenisch darstellen? Also mit welchen Bildern und Figuren arbeitet man? Und wie bauen wir unsere Gäste, die oft schon ein Jahr im Voraus gebucht sind, in die jeweilige Handlung ein? Dann gehen wir wieder auseinander, jeder arbeitet seinen Teil aus und wir treffen uns erneut mit dem Szenengerüst, das dann gemeinsam verfeinert und zu einem fortlaufenden Handlungsstrang zusammengefügt wird

Sie treffen sich also wöchentlich und arbeiten dann das Konzept sowohl alleine als auch gemeinsam von Woche zu Woche aus, bis es dann steht?

Genau. Als erstes verschaffen wir uns einen Überblick und dann gehen wir Stück für Stück vor. Wir haben immer eine Art Doppelaufgabe zu erledigen: Wir wollen einerseits interessante Informationen an das Publikum herantragen, und andererseits dafür originelle satirische Formen finden.

Ihnen geht es also darum, das Publikum auf satirische Weise zu informieren.

Natürlich. Im Gegensatz zur Komödie ist das im Kabarett ja schon immer so gewesen. Der Humor dient auch zur Aufklärung.

Aber die aufklärerische Variante ist in Ihrer Sendung schon besonders stark ausgeprägt, oder?

Ich komme aus dem Journalismus und auch Claus von Wagner hat schon journalistisch gearbeitet und das merkt man der Sendung wohl schon an. Wir verstehen unsere Sendung jetzt aber nicht so, als dass wir hier ein grundlegendes neues Kabarett aufführen. Allerdings: Wir haben vielleicht einen besonderen Ehrgeiz, immer wieder auch dem Zuschauer Informationen zugänglich zu machen, die ihm noch nicht bekannt sind. Über das klassische Kabarett sagt man, dieses sei ein Spiel mit Wissenszusammenhängen des Publikums. Wir haben Spaß daran, diese Wissenszusammenhänge zu erweitern. Wir wollen nicht nur das darstellen, was die Zuschauer eh bereits wissen.

Wie erklären Sie sich den Erfolg dieses Formates? Treffen sie damit einen Nerv?

Offenbar ja, insgesamt wird ja Satire – auch die Heute Show – vermehrt als Informationsmedium wahrgenommen Wobei wohl gilt: das mit dem Erfolg ist relativ. Die Vorgängersendung hatte am Ende eine höhere Einschaltquote. Allerdings generieren wir sehr viele Klicks im Netz und haben überdurchschnittlich junges Publikum.

Sie haben also mehr junge Zuschauer?

Ja, das sehen wir unter anderem an dem Publikum, das direkt in die Sendung kommt, aber auch an den lebhaften Reaktionen im Netz, vielfach von Menschen, die teilweise erst im Abituralter sind. Viele sagen tatsächlich, dass sie über die Anstalt politisiert wurden. …

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