„Radikale Umverteilung stärkt die Nachfrage“

Interview: Silke van Dyk forscht zur Postwachstumsökonomie und hält Verzicht für keine Systemalternative

– Jonas Weyrosta

Studierende und Besserverdienende mögen die Zeit haben, sich in Repair-Cafés und solidarischen Gartenprojekten für eine Welt ohne Wachstumszwang und Umweltzerstörung zu engagieren. Wie aber soll das eine alleinerziehende Kassiererin schaffen?

Ist die Postwachstumsbewegung nicht nur ein elitäres Projekt? Ist sie blind für die soziale Frage? Und was hat der Rechtspopulismus mit dem Wachstumszwang zu tun? Solchen Fragen gehen die Soziologin Silke van Dyk und ihr Kollegium am Forschungskolleg Postwachstumsgesellschaften der Universität Jena nach, das als führende Denkfabrik der Wachstumskritik gilt.

der Freitag: Frau van Dyk, warum müssen wir schrumpfen?

Silke van Dyk: Postwachstum ist etwas anderes als wirtschaftliche Schrumpfung oder eine Rezession. Es geht darum, die gängigen Indikatoren für Wohlstand in Frage zu stellen, ohne davon auszugehen, dass wirklich alles schrumpfen muss. Es braucht eine differenzierte Auseinandersetzung damit, was mehr, was weniger werden soll.

Und?

Soziale Dienstleistungen und Sorgetätigkeiten sollten weiterwachsen, hier haben wir nicht zu viel, sondern zu wenig. In der fossilen Energieproduktion ist es besonders wichtig, dass wir schrumpfen. Die Frage ist, wo kann es gelingen, aus den Wachstumszwängen des Kapitalismus auszusteigen. Er ist ein System, das allein, um stabil zu bleiben, auf permanente Steigerung angelegt ist. Hier liegt das Problem: Alles Wirtschaften schließt Stoff- und Energietransformationen ein – das kann in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nicht unbegrenzt funktionieren. Und die Effizienzversprechen eines grünen Kapitalismus sind vollkommen illusorisch. …

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