Keine Friedensdividende

Haben wir Gorbatschows Erbe bereits verspielt? Wollen wir Europa wirklich in den Kalten Krieg 2.0 taumeln lassen?

– Hans Boës

Viele von uns haben es noch miterlebt, die Aufbruchsstimmung in Deutschland und Europa nach dem Mauerfall, die im Grunde eine Folge der russischen Perestroika war. Gorbatschow hatte wohl erkannt, dass sein System der Einparteiendiktatur dem Westen hoffnungslos unterlegen war und leitete mit Perestroika und Glasnost eine radikale Umwandlung des russischen politischen Systems ein, die bis heute noch nachwirkt.

Gleichzeitig nahm er ein Problem der Menschheit in Angriff, wie vor ihm noch kein anderer. Auf seine Initiative hin reduzierten die beiden Atommächte die aktiven atomaren Interkontinentalraketen erheblich. Und nicht nur das. Er ermöglichte auch die deutsche Wiedervereinigung, indem er seine Truppen bis an die Grenzen der russischen Föderation zurückzog – auf das Versprechen hin, dass die Nato sich nicht über die deutsch-deutsche Grenze hinweg ausbreiten würde.

Schauen wir uns doch einmal an, was seit dem historischen Handschlag zwischen Gorbatschow und H. W. Bush geschehen ist. Die Amerikaner sind trotz aller Versprechungen bis an die Grenzen Russlands herangerückt und setzen sich dort mit Militärbasen und Raketenabwehrstationen fest. Gleichzeitig wird Russland als Aggressor beschuldigt.

Eine relativ kleine Clique in Washington, die sogenannten Neo-Cons um Cheney, Rumsfeld, Wolfowitz, Perle und anderen, sahen nach dem Untergang der Sowjetunion ihre Chance auf ein amerikanisch dominiertes neues Jahrhundert. Das “Project for a New American Century” (PNAC) sagte ganz offen worum es geht: um die Weltherrschaft der Amerikaner in den nächsten hundert Jahren.

Die Strategie war ganz einfach: Regionale Mächte so klein halten, dass sie es nicht wagen würden, gegen das amerikanische Militär zu opponieren. Die schon vorher veröffentlichte Wolfowitz-Doktrin, sagt noch einmal deutlich:

Our first objective is to prevent the re-emergence of a new rival, either on the territory of the former Soviet Union or elsewhere …(Übersetzung): Unser erstes Ziel ist es, das Wiederauftauchen eines neuen Rivalen entweder auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo zu verhindern …

Ex-General Wesley Clark hat sich lange gewundert, warum schon kurz nach dem 11. September 2001 eine Liste der Länder im Pentagon kursierte, die jetzt “in Angriff” genommen werden. Regime-Change in 7 Ländern in den nächsten 5 Jahren: Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und am Ende das Kronjuwel Iran.

Im Nachhinein wird so einiges klar. Das Scheitern der Strategie in Syrien offenbart die Stoßrichtung: Afghanistan, Syrien, Iran und einen Keil zwischen Russland und China treiben. Es ist Brzezinskis Masterplan, der nicht nur in Syrien, sondern offenbar auch in der Ukraine mit aller Macht verfolgt wird.

Da die Spieler des globalen Schachbretts sich aber nicht an das Skript des PNAC halten und der Regime-Change in Syrien nicht gelungen, sondern im Gegenteil, jetzt auch noch die Türkei im Bund der regionalen Mächte ist, haben die Amerikaner nur noch wenig Spielraum, ihre Strategie einer Beherrschung des Nahen und Mittleren Ostens umzusetzen. Daher vielleicht der Versuch von Trump, jetzt noch einmal ordentlich Feuer in den Kessel zu gießen, mit seiner Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels.

Wir sind von unseren amerikanischen Freunden verarscht worden. Es geht nicht um Friedenseinsätze, Demokratie und Frauenrechte, sondern im Gegenteil um Weltherrschaft, um Öl, Gas, Waffenhandel, Bodenschätze, Drogen, Menschenhandel etc. Um Geld und Macht. Um strategische Positionen an den Nadelöhren des Welthandels – wie jetzt gerade im Jemen. …

https://www.heise.de/tp/features/Keine-Friedensdividende-3917867.html

#multilpolar — #Kriegslügen

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