Der ganz normale Krieg

Wie die linke Bewegung — gefangen in den Mechanismen von Macht und Herrschaft — ihren eigenen Friedensanspruch torpediert.

– Peter Frey

Diesen Beitrag schrieb ich aus einer subjektiv politisch linken Perspektive. Einer Perspektive, der ich mich emotional verbunden fühle, ohne sie rational beschreiben zu können. Das ist in meiner Biografie begründet, doch inzwischen stellen sich viele Fragen in mir, wenn es um die linke Bewegung als einer gesellschaftspolitischen Strömung geht. Offenheit verdeutlicht sich, wenn man auch vor unbequemen Fragen nicht zurückschreckt. Das möchte ich in diesem Beitrag leben.

Was ich in den letzten Monaten zum politischen Aktionismus der Partei Die LINKE (a1) erfahren durfte, hat in mir letzte Illusionen zerstreut, dass unsere Demokratie reformierbar wäre, wenn eine neue, mit „besonders fortschrittlichen“ Werten (mit einer selbstredend rein subjektiven Wertebestimmung) auftretende Partei Regierungsgewalt erhalten würde. Damit meine ich nicht einmal ihre Rolle im deutschen Parlament sondern vor allem ihr Auftreten innerhalb der Partei und gegenüber Menschen, die sich doch erklärtermaßen und traditionell ebenfalls LINKS sehen. Doch erkenne ich zu überdenkende Verhaltensmuster nicht nur bei der Partei Die LINKE sondern auch bei den Linken als einer Bewegung, die Fortschritt, sozialen Ausgleich und Frieden auf ihrer Agenda trägt.

Die Ursachen dafür sind (allerdings nicht allein) systemisch beschreibbar und ich möchte deutlich machen, dass ich an dieser Stelle nicht das Regierungssystem der repräsentativen Demokratie anprangere. Auch sie bildet nur ein universell gelebtes Prinzip in unseren Gesellschaften ab, dessen Wahrnehmung wir uns allerdings beständig zu entziehen suchen.

Die LINKE ist also für mich nun nicht plötzlich „böse“ geworden, sondern zerstörte meine Erwartungshaltungen in sie. Sie hat in positiver Weise mein Denken daraufhin sensibilisiert, inwieweit Erwartungshaltungen überhaupt sinnvoll sind; sinnvoll gegenüber sich selbst aber vor allem sinnvoll gegenüber Anderen. Daher halte ich auch eine Abrechnung (Verurteilung) ihrer Politik – sowohl innerhalb ihrer selbst als auch im Rahmen ihres Mandats – für unangebracht. Da gibt es nämlich nichts abzurechnen. Eine ehrliche Analyse die uns sehr wohl auch auf uns selbst zurückführt, halte ich dagegen für umso notwendiger.

Es sind immer die Anderen

Es ist ein probates Mittel, auf die Herrschenden zu zeigen und unermüdlich deren Vergehen offen zu legen. Das überwiegend mit der erklärten Absicht, eine bessere Welt zu errichten. (a2) So wie allerdings die Herrschenden ebenso inbrünstig ihre guten Absichten verteidigen und ihre Widersacher entsprechend bekämpfen müssen, die ja beabsichtigen, das gute Werk zu zerstören.

Sowohl die Einen als auch die Anderen befinden sich dabei in einer ideologischen Filterblase. Wobei sich die Begriffe Herrschende und die Bekämpfer der Herrschenden keinesfalls auf das Bild einer Regierung und des (unterworfenen) Volkes beschränken. Durch diese Filterblase wird das eigene Handeln selektiv positiv wahrgenommen (uneingeschränkte Legitimität) und das des Gegners selektiv negativ (Feindbild-Bestätigung).

Die Filterblase sorgt aber auch dafür, dass diejenigen, welche meinen die Herrschaft zu bekämpfen, das in Wirklichkeit überhaupt nicht tun! Sie kämpfen NICHT GEGEN die Herrschaft, sondern sie kämpfen UM die Herrschaft und daher gegen die Herrschenden um selbst deren Stelle einzunehmen. Hier wird um Machtpositionen gerungen. Folgerichtig werden auch die gleichen Werkzeuge benutzt.

Gefangen in der Filterblase geht es dabei gar nicht um die Änderung eines auf Macht und Herrschaft beruhenden Systems sondern einzig um die eigene Stellung innerhalb des Systems. Das bedeutet auch, dass die dort gelagerten eigenen grundsätzlichen Denkmuster gar nicht hinterfragt werden.

Krieg ist Lagerdenken. Er verlangt klare Positionen und Grenzlinien (rote Linien) auf deren Unversehrtheit mit Argwohn geschaut wird. Lagerdenken ist gleichgeschaltetes Denken. Gleichgeschaltetes Denken ist das geistige Mittragen einer Ideologie. Die Ideologie ist sowohl ethisch legitimiert als auch sozialer Kitt, um Menschen vor Einsamkeit zu bewahren. Dieses Prinzip lässt sich in grundsätzlich JEDER Ideologie erkennen. Und jeder Glaube der per Missionierung mittels Propaganda verbreitet wird, wandelt sich zur Ideologie und trägt den geistigen Gewaltakt mit sich. …

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