Zerschlagt die digitalen Monopole!

Lassen Sie mich mit einer Frage beginnen: Wie sähe, Ihrer Vorstellung nach, die Welt aus, wenn der Kapitalismus zu Ende ginge?

– Paul Mason

Denkt man auch nur zwanzig Sekunden darüber nach, so erscheint mir eine berühmte These des Sozialphilosophen Frederick Jameson widerlegt: Es sei „leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen“, schrieb dieser in seinem Buch über die Postmoderne, „als das Ende des Kapitalismus“. So weit war es in den 1990er Jahren mit uns gekommen – einer Periode der Verzweiflung, in der nichts Alternatives möglich, keine Wende vorstellbar erschien.

Heute aber – nach 2008 – habe ich durchaus keine Probleme damit, mir vorzustellen, wie das Ende des Kapitalismus aussehen wird. Die Schwierigkeit liegt woanders: Es gibt nämlich zwei konträre Versionen dieses Endes. Es gibt ein Katastrophenszenario und es gibt eine gutartige Version. In meinem Buch „Postkapitalismus“ habe ich die Alternative, vor der wir stehen, folgendermaßen beschrieben: Entweder wir machen dem Neoliberalismus ein Ende, oder die Globalisierung geht zu Bruch.[1] Unterschätzt habe ich dabei, wie schnell die Dinge sich entwickeln.

Wir geraten nämlich zusehends in eine Situation, in der es unter einfachen Leuten kaum noch Einverständnis mit der Wirtschaftsweise gibt, die die Regierenden der entwickelten Welt ihnen zumuten. Und wie alle Prozesse könnte auch dieser außer Kontrolle geraten. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, wie übel die Welt aussehen wird, wenn Parteien wie die AfD oder die FPÖ überall stärker werden. Die Alternative, von der ich sprach, zwingt uns deshalb zuallererst, nach einem Narrativ, einer Erzählung, einem Bezug zu suchen und eine Saite anzuschlagen, deren Klang den Rechtspopulismus auf seinem eigenen Terrain emotional zu entwaffnen vermag – ob nun in Thüringen oder dort, wo ich herkomme, in Nordwestengland, dessen Städte mit überwältigender Mehrheit für den EU-Austritt votiert haben.

Wenn wir die Entwicklung nicht aufhalten, die da vor sich geht, könnte es zu einer gewaltigen Kräfteverschiebung kommen. In deren Folge fänden wir uns womöglich in einem digitalen Feudalismus, in dauerhaften Abhängigkeiten, ja in einer Art Sklaverei wieder. Genau solche Verhältnisse sind es, auf die ein Wladimir Putin, ein Donald Trump – und, ehrlich gesagt, auch ein Xi Jinping – meiner Meinung nach zusteuern: weg von universell geltenden Rechten, weg von den Idealen der Informationsfreiheit, weg von einem globalen Internet. Es gibt schon jetzt kein World Wide Web mehr, weil es balkanisiert worden ist. Die Lichter des Internets sind gelöscht und es dürfte lange dauern, bis sie wieder weltweit leuchten. Das wäre also das negative, das Katastrophenszenario.

Wir müssen dem eine positive Alternative entgegensetzen. …

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2018/februar/zerschlagt-die-digitalen-monopole

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