Wie grün ist die Landwirtschaft?

Auf Plakaten des Deutschen Bauernverbandes steht: “Wir machen Landwirtschaft echt grün”. Wirklich? Alles im grünen Bereich bei deutschen und europäischen Landwirten?

– Franz Alt

Schon 1962 schrieb die US-Schriftstellerin Rachel Carson in ihrem Öko-Bestseller “Der stumme Frühling”: Über allem “liegt der Schatten des Todes”, man vernimmt nur noch “Schweigen über Feldern, Sumpf und Wald”. Inzwischen wurde aus dem stummen Frühling auch ein stummer Sommer. Nicht nur in den Getreidegürteln der USA, sondern auch in den Sojafeldern Brasiliens und in den Feldern der Monokulturen Europas.

Wie heißt es im schönen Volkslied: Alle Vögel sind schon da! Von wegen. Viel zu viele sind schon weg – und zwar für immer.

Im Oktober 2017 wurde wissenschaftlich belegt, was Tier- und Umweltschützer schon lange vermuten: In Deutschland geht die Zahl der Insektenarten dramatisch zurück, um 76% in den letzten 25 Jahren. Sogar in Naturschutzgebieten. Eine ökologische Katastrophe vor aller Augen – freilich lautlos, stumm.

In den Zukunftsszenarien der Agrarlobby wird das umstrittene Glyphosat immer noch wie eine Massenvernichtungswaffe beschrieben, die dafür sorgen könnte, dass auch künftig alle zu essen haben, weil sie alle störenden “Unkräuter” vernichtet.

2017 wurden erstmals eine Million Tonnen dieses Pflanzengifts verkauft. Der große Produzent Monsanto, jetzt Bayer, bietet praktischerweise zugleich gentechnisch veränderte Genpflanzen an, die gegen Glyphosat unempfindlich sind. So werden die Chemiebauern noch abhängiger vom Chemieriesen Bayer. Viele Bauern hängen am Tropf von Glyphosat wie ein Junkie an der Nadel. 37% der Felder werden in Deutschland mit dem Gift traktiert.

Der Klimawandel allein kann die rasante Geschwindigkeit des Artensterbens nicht erklären. Eine große Rolle spielt die Intensivlandwirtschaft mit ihrem viel zu großen Pestizid- und Düngemitteleinsatz.

Die EU verteilt jedes Jahr um die 60 Milliarden Euro an die Landwirtschaft. Es ist so einfach: Wenn künftig nur noch Geld bekommt, wer umweltschonend landwirtschaftet, ist die Agrarwende in wenigen Jahren erreicht. Zum Wohl der Landwirte, der Verbraucher, der Tiere und fast aller Menschen – allerdings nicht zum Wohl der heutigen Chemie- und Lebensmittellobby.

Nur eine radikale Wende zur Bio-Landwirtschaft kann die Vielfalt und wohl auch die Zukunft der Landwirtschaft noch retten. Also eine Landwirtschaft, die Klima, Boden, Tiere, Wasser und Menschen schützt. In Notfällen wie in diesem Hitzesommer 2018 muss die Politik den Landwirten helfen. Doch kurzfristige Hilfe hilft langfristig nicht, wenn die Bauern selbst nicht die richtigen Konsequenzen ziehen. …

https://www.heise.de/tp/features/Wie-gruen-ist-die-Landwirtschaft-4141156.html

 

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