Rasantes Insektensterben auch im Regenwaldschutzgebieten

Für den dramatischen Rückgang von Arthropoden und deren Fressfeinden in Regenwäldern machen Biologen die Klimaerwärmung verantwortlich

– Florian Rötzer

Seit Jahrzehnten kann erneut ein Massenaussterben beobachtet werden. Das erste Massenaussterben wurde bereits von Lebewesen im Präkambrium verursacht. Cyanobakterien reicherten erstmals die Atmosphäre mit Sauerstoff an, was zum Aussterben des Großteils des anaeroben Lebens, aber durch den Abbau von Methan auch zu einer Eiszeit führte. Man könnte auch von einer ersten kreativen Zerstörung sprechen, denn dadurch konnte sich neue Lebensformen entwickeln. Durch Eis- und Warmzeiten kam es immer wieder zu Massenaussterben, verursacht oft durch Vulkanismus oder auch einen Asteroideneinschlag wie dies für das Massenaussterben an der Kreide-Paläogen-Grenze vor 66 Millionen Jahren vermutet wird. Das Massenaussterben jetzt geht jedoch völlig auf den Menschen zurück, der mit großer Geschwindigkeit und einem explosiven Bevölkerungswachstum die Erdoberfläche umgestaltet.

Die Bestände vieler Tier- und Pflanzenarten sind in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgeganen, Zehntausende von Arten verschwinden jährlich von der Erde. Besonders wahrgenommen werden die größeren Tiere, insbesondere von Säugetieren und den Primaten, unseren nächsten Verwandten. Lange wurde übersehen, dass auch kleinere Tierarten rasant schrumpfen und aussterben. Bis vor kurze machte man sich mitunter noch darüber lustig, wenn ein massiver Rückgang der Insektenpopulationen und das Aussterben von Insektenarten gemeldet wurde, obgleich dieser jedem kenntlich sein musste, der mit offenen Auge durch die Welt geht. Besorgt war man oft nur über den Schwund an Bienen, weltweit wurde das Bienensterben beobachtet, während man andere, nicht direkt nützliche oder mithin sogar lästige Arten oder “Schädlinge” nicht beachtete.

Daher schlug die Untersuchung letztes Jahr deutlich ein, als in Deutschland festgestellt wurde, dass die Biomasse an Insekten an 63 Orten mit unterschiedlichen Ökosystemen durchschnittlich um 77 Prozent von 1989 bis 2016 zurückgegangen ist. Besonders beunruhigend war, dass der Rückgang in Naturschutzgebieten gemessen wurde, wo man meinen sollte, diese würden Rettungsinseln darstellen (“Vogel- und Insektensterben”: Die industrielle Landwirtschaft als Quelle des Übels?). Das Schrumpfen und Aussterben von Insekten hat drastische Folgen für andere Tierarten und Pflanzen und damit für die Erde, auf der die Menschen leben und von der sie sich ernähren.

Eine neue Studie, die gerade in den Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist, weist darauf hin, dass der Massenschwund an Insekten noch dramatisch und verbreiteter sein kann, als bislang angenommen wurde. Die Biologen Bradford C. Listera und Andres Garcia haben die Artenvielfalt von Insekten in dem Regenwaldreservat El Yunque in Puerto Rico untersucht und festgestellt, dass auch hier ein Massenaussterben stattfindet, in dessen Folge die Tiere, die sich von Insekten ernähren, verschwinden. El Yunque ist über 100.000 Quadratkilometer groß und bereits seit 1876 geschützt. Verwaltet wird er vom US Forest Service. …

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