Chinas Plan für Künstliche Intelligenz: Orwell live erleben

China baut mithilfe von Maschinenlernen und Social Scoring ein gigantisches Kontrollsystem auf, hieß es in der KI-Kommission des Bundestags.

– Stefan Krempl

Der Paderborner Medienwissenschaftler Jörg Müller-Lietzkow sieht China schnurstracks auf dem Weg zur Weltmacht im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Das Reich der Mitte dominiere schon heute den Hardwaremarkt, erklärte der Forscher am Montag in einer öffentlichen Sitzung der Enquete-Kommission des Bundestags für KI. Werde diese Position nun plangemäß mit smarter Software kombiniert, könne China auf dem gesamten Sektor “weltweit Standards setzen”.

Die KI-Strategie Pekings sehe genau dieses Ziel auch vor für die nächsten Jahrzehnte, berichtete Müller-Lietzkow. Künstliche Intelligenz werde darin als “Schlüssel zur Aufrechterhaltung der Produktivität” gesehen. Die chinesische Regierung habe in diesem Zusammenhang auch erkannt, dass billige Arbeitskräfte allein auf dem Wandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft nicht mehr das A und O seien.

KI wird in China laut dem Wissenschaftler in China zum einen als “unterliegende Schicht” gesehen, um zunehmenden Problemen wie der Umweltzerstörung oder dem Verkehrsinfarkt entgegenzuwirken. Zudem solle die Technik Wohlstand und Reichtum mehren, zugleich aber “die Effektivität der Kontrolle der Bürger deutlich erhöhen”. Vorläufer dafür sei das von Wirtschaft und Staat entwickelte “Social Credit”-System mit umfassendem gesellschaftlichen Scoring, vor dem hierzulande auch andere Sachverständige warnen.

Die wichtigen chinesischen ökonomischen Akteure auf diesem Feld wie Alibaba, Baidu oder Tencent hätten dabei mit Bezahllösungen und universellen Apps wie Alipay oder WeChat bereits die “größte Social-Media-Nation geschaffen”, erläuterte Müller-Lietzkow. Dabei gingen alle Daten an die Hersteller und seien damit “wunderbar einfach zu kontrollieren”. Alle Unternehmen hätten zudem “staatliche Verbindungen” und spezielle Aufträge etwa rund ums autonome Fahren, Social Scoring oder Gesundheitsdienste. China sei damit bereits bei der “Kontrolle des Internetverkehrs und bei E-Commerce die Nummer Eins” und habe hier die USA, Japan und Deutschland zusammen überholt.

Die Einstellung auch der Nutzer sei dabei teils grundverschieden zu denen im Westen, meinte Müller-Lietzkow. Das Motto laute, “Datenschutz gegen Convenience” zu tauschen, verwies er auf Bequemlichkeitsgewinne durch die Apps. Auch das “Gefühl von Sicherheit” oder der Kampf gegen Korruption seien weitere wichtige Aspekte für die chinesischen Bürger. So lieferten im Reich des Drachen schon eine Milliarde Konsumenten regelmäßig umfangreiche persönliche Informationen an Firmen und Regierung frei Haus.

Selbst “mittelmäßige Wissenschaftler” könnten “mit diesen ungefilterten Rohdaten ganz viel anstellen”, beschrieb Müller-Lietzkow ein ausgefeiltes System der gesellschaftlichen Steuerung. Es gelte, Orwell und sein soziales Schreckbild 1984 ernst zu nehmen: Vor Ort “können Sie den leben”, konstatierte er. Dass sich dagegen wenig Widerstand rühre, hänge auch mit der chinesischen Geschichte zusammen bei einer Nation, die schon einmal eine große Mauer um sich herum errichtet habe. …

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Chinas-Plan-fuer-Kuenstliche-Intelligenz-Orwell-live-erleben-4211515.html?

#SocialCredit

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