Der amerikanische Krieg gegen den Terror hat mindestens 500.000 Tote gekostet

Nach Schätzung des Costs of War Project der Brown University waren die Hälfte Zivilisten, die direkten finanziellen Kosten werden auf 4,6 Billionen US-Dollar geschätzt

– Florian Rötzer

Die USA haben von Anfang an darauf verzichtet, die Zahl der Getöteten und Verletzten in den Kriegen in Afghanistan, im Irak und in Pakistan zu zählen. Syrien wurde in den Bericht nicht aufgenommen, wo alleine mehr als eine halbe Million Menschen getötet wurden. Auch andere Länder wie Jemen, Somalia, Libyen oder Niger wurden nicht berücksichtigt. Für Afghanistan und den Irak veröffentlichen Vereinten Nationen regelmäßig die Zahl der Kriegsopfer, auch andere Organisationen wie AirWars versuchen, einen Überblick durch Auswertung unterschiedlicher Quellen zu geben

Das Pentagon hat unter Obama nur damit begonnen, zivile Opfer im Irak und in Syrien aufzulisten, die man praktisch nicht verleugnen konnte, während man erst einmal routinemäßig alle Getöteten als Militante bezeichnete. Man kam damit auf so geringe Zahlen, dass man dies als alternative, jedenfalls äußerst bereinigte Fakten bezeichnen kann, die weitab von der Wirklichkeit sind. Im Juni 2018 zählte das Pentagon bei US-Einsätzen 499 getötete und 167 verletzte Zivilisten im Irak, in Syrien, Afghanistan und im Jemen. Allerdings hat sich das Pentagon bemüßigt gefühlt, zumindest geschönte Zahlen vorzulegen, andere Kriegsparteien hüllen sie da ganz in Schweigen.

Neta Crawford, die Autorin des aktuellen Berichts, Politikprofessorin an der Boston University und Co-Direktorin des Costs of War Project, macht auch klar, dass es nur um eine sehr ungefähre Schätzung geht und dass die Kriege wahrscheinlich viel mehr Tote hinterlassen haben. Gezählt wurden nicht nur Zivilisten, sondern auch getötete Soldaten, Polizisten und Militante. Letztere wurden auch deswegen aufgenommen, weil sie vielfach Zivilisten waren. Es geht also nur um die Opfer der direkten Gewalt, nicht um die vielen Menschen, die indirekt oder durch Vertreibungen starben, beispielsweise durch mit dem Krieg verbundene Krankheiten, Mangel an sauberem Trinkwasser, fehlenden Lebensmitteln oder mangelnder medizinischer Versorgung. Würde man die Zahl der indirekten Toten, also zynisch gesagt: der Kollateraltoten, einbeziehen, würde man als Folge der Kriege von einer Million und mehr Toten sprechen müssen.

Schaut man sich die Zahlen für Afghanistan und Pakistan (Oktober 2001 bis Oktober 2018) und den Irak (März 2003 und Oktober 2018) an, so fällt erneut auf, was man bereits weiß, aber was die Wirklichkeit dieser asymmetrischen Kriege deutlich macht: In der Gesamtzahl der Opfer sind die – natürlich exakt gelisteten – Zahlen der getöteten US-Soldaten (6951) und der alliierten Soldaten (1464) unbedeutend. Auch wenn man die amerikanischen Contractors (7820) einbezieht, hat die jeweilige einheimische Bevölkerung die weit überwiegende Last zu tragen, wenn die USA oder Deutschland am Hindukusch oder anderswo verteidigt werden. 362 Journalisten wurden getötet, die überwiegende Mehrzahl im Irak, und 566 Mitarbeiter von Hilfsorganisation, überwiegend in Afghanistan. …

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