Aufregung um Millioneneinkommen – Das hat Merz nicht verdient

Ein möglicher Bundeskanzler darf reich sein, selbstverständlich. Bedenklich ist etwas anderes: nämlich, womit und wie schnell jemand wie Friedrich Merz zu so viel Geld kommt.

– Thomas Fricke

Es mangelt in der Aufregung um Friedrich Merz‘ Gehalt eindeutig an Empathie: für Friedrich Merz. Der Mensch vergleicht sich ja mit denen, die ihn umgeben. Und hat jemand mal darüber nachgedacht, was es heißt, auf der Arbeit ständig mit Leuten zu tun zu haben, die teils im Monat mit mehreren Millionen nach Hause gehen? Bei Blackrock, wo Merz auch arbeitet, verdient der Chef ja knappe 30 Millionen im Jahr. Und wenn man selber auf Nachfragen antworten muss, dass man „jedenfalls nicht weniger“ als eine Million nach Hause schafft?

Eben, da fühlt man sich erbärmlich. Bestenfalls wie gehobene Mittelschicht.

Womit wir bei einem tieferen Problem wären. In den vergangenen Tagen ist viel darüber nachgedacht worden, wie schlecht es für einen Politiker ist, so viel Geld zu haben. Und ob das jetzt eine typisch deutsche Neiddebatte ist oder nicht.

Viel wichtiger könnte eine andere Frage sein: Wie der völlig normale Friedrich Merz in so relativ kurzer Zeit legal so reich geworden ist. Und wie verdient (oder wirtschaftlich erfolgreich) so etwas ist.

Wert und Gegenwert

Dann müsste hier womöglich dringend korrigiert werden, um die Spaltung unserer Gesellschaft zu stoppen, wie das erklärtermaßen auch Friedrich Merz möchte. Nur dass dann nicht sicher ist, ob er dafür der brennendste Kandidat wäre.

Die italienisch-amerikanische Ökonomin Mariana Mazzucato hat das Phänomen eindrucksvoll auf den Punkt gebracht, in ihrem jüngsten Buch, „The Value of Everything“, das im Frühjahr auf Deutsch erscheint. Früher haben sich große Ökonomen wie Adam Smith noch darüber den Kopf zerbrochen, ob und wie (harte) Arbeit Wert schafft und sich das messen lässt, so Mazzucato. Seit ein paar Jahrzehnten nun gelte in Lehre und Praxis das Dogma, dass alles Wert hat, solange jemand bereit ist, dafür Geld zu zahlen. Was zu teils absurden Phänomenen führt: weil etwa Eltern für Medikamente natürlich Unsummen zahlen würden, wenn es ihr Kind rettet – obwohl die eigentlichen Kosten für das Medikament womöglich verschwindend gering sind.

Das Tückische ist, dass fast zeitgleich in den Siebzigern und Achtzigern das Paradies für alle öffnete, die mit Finanzgeschäften Geld machen. Wofür damals Ronald Reagan und Margaret Thatcher mit etlichem Abbau von Regeln für die Banken sorgten. Und seither (auch) all das – logisch – als Wertsteigerung gilt, was an den Finanzmärkten Geld macht. Selbst wenn es, wie etwa das tägliche Hin- und Herschießen von mehreren Billionen Dollar Devisen, mit der Schaffung von Werten für die Gesellschaft nur noch mit sehr viel Phantasie in Zusammenhang zu bringen ist. ….

https://neuewirtschaftswunder.de/2018/11/23/thomas-fricke-aufregung-um-millioneneinkommen-das-hat-merz-nicht-verdient/

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