Viele vermeiden Diskussionen mit Andersdenkenden

Nach einer Umfrage sagen fast alle Amerikaner, dass “kritisches Denken” wichtig sei, aber es wird von wenigen praktiziert und weiter gegeben

– Florian Rötzer

Helen Lee Bouygues, die enge Beziehungen zu Frankreich hat, beriet viele Jahre Unternehmen, die in Krise gerieten oder vor der Pleite standen, was sie selbst nicht ärmer machte. Möglicherweise hat sie deshalb entdeckt, dass kritisches Denken nicht nur im Geschäftsleben, sondern auch für die Gesellschaft und den Einzelnen wichtig ist – nicht zuletzt als Schutz gegen Fake News. Kritisches Denken werde nicht gelehrt, obgleich es zur Bewältigung der Informationsflut immer wichtiger werde.

Jedenfalls hat sie die Reboot Stiftung gegründet, die kritisches Denken, beginnend im Elternhaus und in der Schule, zu fördern sucht. Entwickelt werden soll auch ein digitales Programm für Eltern, um diese anzuleiten, das kritische Denken ihrer Kinder zu entwickeln. Ob ausgerechnet die Eltern der beste Ansprechpartner dafür sind, mag dahingestellt sein. Und ob Apps oder ähnliches dafür geeignet sind, unabhängiges Denken nach dem Kantschen Leitspruch der Aufklärung zu stimulieren, kann man auch bezweifeln: “Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”

Die Stiftung hat nun die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die auch nicht sonderlich ermutigend sein dürften. Ähnlich wie bei anderen “guten” Themen, etwa dem Klimaschutz, sind natürlich auch die meisten für den Gebrauch des kritischen Denkens, aber eher ungern im eigenen Umkreis. Bouygues sagt, ein Unternehmen wieder auf die Füße zu stellen, das aus der Spur gekommen ist, sei eine Übung im kritischen Denken: “Forschung, Analyse und Planung müssen in einer angespannten, unter zeitlichem Druck stehenden Situation Früchte tragen.”

Das klingt weniger nach kritischem Denken, sondern nach einem pragmatischen und zielorientierten Lösungsansatz. Aber sie erklärt natürlich auch, dass kritisches Denken vor allem die Fähigkeit ist, Dinge zu hinterfragen, um zu eigenen Entscheidungen der Urteilskraft zu kommen. Als Definition bietet sie an, dass es eine Art des Nachdenkens sei, “das Schlussfolgerung, Logik und Analyse benötigt, um Entscheidungen zu treffen und Probleme zu verstehen. Zu den wichtigen Elementen kritischen Denkens gehört, entgegengesetzte Standpunkt zu untersuchen, Beweise zu verwenden und sich an Diskussionen zu beteiligen.”

Gerade an letzterem scheint es aber zu hapern. …

https://www.heise.de/tp/features/Viele-vermeiden-Diskussionen-mit-Andersdenkenden-4247185.html

#FakeNews

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