Die französische Revolution

Ein Gespräch mit dem französischen Abgeordeten François Ruffin und dem Dokumentarfilmer Gilles Perret über die Gelbwesten-Bewegung.

  • Rubikons Weltredaktion

„Schönheit“, „Stolz“, „Liebe“ — die beiden Regisseure, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die neue Protestbewegung in Frankreich filmisch zu porträtieren, werden regelrecht poetisch, wenn sie von ihren Heldinnen und Helden sprechen. Mit Recht, denn wenn sich Menschen, die lange niedergedrückt und in Knechtschaft gelebt haben, endlich gegen ihre Unterdrücker erheben, geht ein Leuchten von ihnen aus. Und wer frei ist, ist auch schön. Wünschenswert wäre nun, dass der neue Aufbruch sowohl von der Mittelschicht als auch den „Intellektuellen“ nicht zerredet wird. Es bedarf des Mutes und des Einsatzes vieler, um die Wende zu schaffen.

Im Leben der Völker gibt es magische Zeiten. Auf einmal erheben sich die sonst resignierten, seit langem niedergeschlagenen Corinnes, Carines, Khaleds, Rémis, Denis, Cindys, Maries. Sie stehen auf gegen die Ewigkeit eines unabwendbaren Schicksals. Sie verbinden sich und verbünden sich. Ihre angesammelte private Schmach verwandelt sich in öffentliche Wut. Sie setzen ihre Körper, Sperren, Hütten gegen ihre Herren, ihre Herrscher, die Macht. Aber vor allem ihre Stimmen: Die Worte befreien sich, entfesseln sich und fordern einen Teil des Glücks. Es ist ein Blitz, der die schwarze Nacht der Geschichte erhellt. Ein gelber, neonleuchtender Blitz, der nur einen Augenblick anhält, aber sich in die Erinnerungen einbrennt. Hinter dem Donner erschallt dieses Wort: Hoffnung. Gleich einer riskanten Jagd auf Schmetterlinge brechen Gilles Perret und François Ruffin für ein Road-Movie durch das heutige Frankreich auf. Als Fangnetz haben sie eine Kamera dabei, um diesen magischen Moment, das Lebendige in den Gesichtern und Stimmen der Corinnes, Carines, Khaleds, Rémis, Denis, Cindys, Maries einzufangen.

Fakir: Wie hat euer Filmprojekt begonnen?

Gilles Perret: Durch einen Zufall. Ich hing bei der Nationalversammlung herum, ich hatte einen Termin in der Ecke, und da traf ich François, der zu mir sagte: „Kommst du mit uns in die Kantine?“ Zwischen geriebenen Karotten und Île flottante sprachen sie über eine Fahrt durch Frankreich.

François Ruffin: Naja. Ich wusste, dass das Land einen magischen, ungewissen Moment erlebte, also hielt ich mir Mitte Dezember eine Woche frei, um die Straßen abzufahren und diesen Moment voll auszukosten. Um ein Buch zu füttern.

Perret: Diese „Gelbwesten“ reizten mich auch. Ich empfand Sympathie für sie. Bestimmt, weil wir beide auch aus der Provinz sind, einer aus der Savoie und der andere aus dem Norden, wir haben nicht diese leicht hochmütige, wertende Art der Pariser. Am 17. November bin ich über Kreisverkehre gefahren und entdeckte Gesichter, die man sonst nie auf Demos sah. Ich erinnere mich an ein Paar an der Mautstation von Annecy – mit einem breiten Lächeln – ein freudiger Anblick, den man nicht oft auf Demos sieht. Sie sind nie rausgegangen, und jetzt existieren sie! Also schlage ich François während des Essens vor, ihm mit einer Kamera zu folgen: Und er sagt „nein“, dieser Idiot!

Ruffin: Na klar. Also zuerst einmal habe ich genug davon, immer Kameras und Mikros am Hintern kleben zu haben, da fühle ich mich überwacht, ich überwache mich selbst. Ich bevorzugte die Art „einsamer Cowboy“ …

Perret: Aber ich habe nicht locker gelassen …

Ruffin: Vor allem wollte ich keinen Film über mich. Das Thema sind wirklich die Leute. Sie erwachen endlich. …

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#GiletsJaunes

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