Interview: „Antirussische Meinungsmache dominiert in Großbritannien – so wie auch in Deutschland“

Parallelen zwischen der gegen Russland gerichteten Berichterstattung in Großbritannien und Deutschland beschreibt Nicholas Cobb von der britischen Initiative „Westminster Russia Forum“.

Cobb sieht im Interview mit den NachDenkSeiten die Verantwortung für das vergiftete britisch-russische Verhältnis vor allem bei den großen Medien: die würden eine Stimmung entfachen, die auch gutmeinende Menschen abhält, sich öffentlich zum Dialog mit Russland zu bekennen. Das Interview führte Tobias Riegel.

Herr Cobb, die Berichterstattung der großen deutschen Medien zu Russland muss als einseitig, verzerrt und verkürzt bezeichnet werden. Etwa die Berichte zur Krim setzen meist nicht mit dem Umsturz in Kiew ein, sondern erst mit den russischen Reaktionen darauf. Zudem wird das Land oft unseriös auf die Person des russischen Präsidenten Wladimir Putin reduziert. Sie sind Teil der britischen Initiative „Westminster Russia Forum“ (WRF), die sich für einen Austausch mit Russland stark macht. Beobachten Sie diese Art der Meinungsmache auch in Großbritannien?

Absolut, es gibt da offensichtlich viele Parallelen zwischen Deutschland und Großbritannien, was die Berichterstattung anbelangt. Die Medien in Großbritannien bringen zwar auch viele gute Stories – aber meist nicht zu Russland. Fast alles fokussiert sich auf den Präsidenten Wladimir Putin. Etwa nach dem MH17-Abschuss waren die Schlagzeilen: „Putins Rakete schießt Passagierflieger ab“. Die Medien geben den Menschen klare Schurken, jemanden, gegen den sie sich verbünden können. Dieser Schurke ist momentan Russland.

Auch ist beim Thema eine weitgehende Gleichförmigkeit unter den großen deutschen Medien festzustellen.

Echte Unterschiede gibt es zum Thema auch unter den großen Medien in Großbritannien nicht: Die Russophobie dominiert die Presse – in Deutschland wie in Großbritannien. Ich sehe auch nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Russland ist laut dem Tenor der großen britischen Zeitungen eine homophone Diktatur und fördert internationale Konflikte. Aber immerhin werden nicht die russischen Menschen attackiert.

In Deutschland kommt es aber vor, dass Menschen, die sich für einen deutsch-russischen Dialog einsetzen, dafür scharf attackiert werden.

Das passiert in Großbritannien ebenfalls. Einige Parlamentarier etwa hatten sich hinter den Kulissen verständigt, dass sie eine Position der Entspannung gegenüber Russland vertreten. Aber sie sagten auch, dass sie für diesen Dialog nicht öffentlich eintreten würden. Einer hat sich dennoch getraut: Er wurde von allen Seiten so scharf attackiert, dass sich das wohl nicht so bald wiederholen wird.

Bei einem anderen Beispiel hatte ein schottischer Ex-Politiker eine Sendung beim russischen Staatssender RT moderiert und ist dafür übel attackiert worden. So geht es jedem, der mit diesem Sender spricht. Die britischen Medien-Regulatoren erwägen ernsthaft, RT zu verbannen. Andererseits hilft sich aber auch RT nicht durch die zum Teil sehr provokative Berichterstattung. …

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#RusslandFrieden

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