Die Aufsplitterung Jugoslawiens und Rekolonialisierung Bosniens

Der Einsatz schwer bewaffneter NATO-Truppen als “Friedenshüter” in Bosnien wird von Politikern wie Medien im Westen gleichermaßen als angemessene – wenn auch sehr späte – Reaktion auf einen Ausbruch von ethnischen Säuberungen und Menschenrechtsverletzungen hingestellt.

  • Michel Chossudovsky

In der Folge des im November 1995 abgeschlossenen Dayton-Vertrages ist der Westen bemüht, sich als Retter der südlichen Slawen zu präsentieren und mit der “Arbeit am Wiederaufbau” der neuen souveränen Staaten fortzufahren.

Aber die öffentliche Meinung im Westen wurde seit Beginn des Bürgerkriegs planmäßig in die Irre geführt. Der “allgemeine Wissensstand”, begründet etwa durch Aussagen wie die des früheren US-Botschafters Robert Zimmermann, geht davon aus, dass die Probleme auf dem Balkan auf tiefliegende ethnische und religiöse Spannungen zurückzuführen sind, die in der geschichtlichen Entwicklung ihren Ursprung haben (1). Dem entsprechend wird viel Aufhebens gemacht um “Machtkämpfe auf dem Balkan” und die Konflikte zwischen Politikern: “Tudjman und Milosevic reißen Bosnien-Herzegowina in Stücke” (2)

Versteckt hinter der Kulisse aus Vermutungen und selbstgestrickten Analysen liegen die wirtschaftlichen und sozialen Gründe dieses Konflikts. Die tiefliegende ökonomische Krise, die dem Krieg vorausgegangen ist, ist schon lange vergessen. Die strategischen Interessen Deutschlands und der USA, die zur Aufteilung Jugoslawiens geführt haben, werden genauso wenig erwähnt wie die Rolle der ausländischen Kreditgeber und internationalen Finanzinstitutionen. In den Augen der globalen Medien trägt der Westen keine Verantwortung für den Sturz einer Nation mit 24 Millionen Einwohnern in Elend und Zerstörung. Aber gerade durch ihre Herrschaft über das globale Finanzsystem waren die Westmächte von Anfang der 80er Jahre in Verfolgung ihrer jeweiligen und gemeinsamen “strategischen Interessen” maßgeblich beteiligt am Niedergang der jugoslawischen Wirtschaft mit den entsprechenden Auswirkungen auf ethnische und soziale Konflikte.  Jetzt sind die Anstrengungen der internationalen Finanzwelt darauf gerichtet, “den kriegszerstörten Nachfolgestaaten Jugoslawiens zu helfen”. Während die Aufmerksamkeit der Welt auf Truppenbewegungen und Waffenstillstände gerichtet ist, sind Kreditgeber und internationale Finanzinstitutionen schon fleißig dabei, die Rückzahlung der Schulden des früheren Jugoslawien sicherzustellen, während der Balkan in ein Gebiet umgewandelt wird, in dem sich die freie Marktwirtschaft ungestört entfalten kann. …

http://www.antikrieg.eu/aktuell/2019_03_22_jugo_chossudovsky.htm

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