Wie IT-Giganten neben den Inhalten auch die Netz-Infrastruktur kontrollieren wollen

Google, Facebook und Co investieren Milliarden Dollar in Untersee-Kabel und andere Aspekte der Infrastruktur des Internets. Am Ende der Entwicklung könnten sie neben den Inhalten auch die Technik kontrollieren. Eine US-Senatorin forderte jüngst, die Firmen zu zerschlagen. Ganz aktuell bittet Frankreich die US-Konzerne mit einer neuen Steuer zur Kasse – Deutschland verzichtet darauf.

  • Tobias Riegel

Der IT-Konzern Google verdient Milliarden Dollar mit den Services seiner Cloud-Plattform. Jetzt will die Firma diese Mittel nutzen, um das Internet selbst zu kaufen – oder zumindest die Unterwasserkabel, die das technische Rückgrat des Internet bilden. Vor dieser Entwicklung warnt aktuell unter anderem der IT-Experte Tyler Cooper. Gleichzeitig fordert etwa die US-Senatorin Elizabeth Warren, die Technik-Firmen zu „zerschlagen“. In Europa wiederum haben sich nun einige Länder entschlossen, eine überfällige Digitalsteuer einzuführen – Deutschland ist nicht darunter.

Im Februar hatte Google angekündigt, eine neue Unterwasserleitung von Kalifornien nach Chile voranzutreiben. Dieses „Curie-Kabel“ würde laut Cooper das erste private interkontinentale Kabel sein, das jemals von einem großen Nicht-Telekommunikationsunternehmen gebaut würde. Demnach hat Google neben interkontinentalen Verbindungen auch bereits eine Reihe intra-kontinentaler Kabel eigenständig finanziert, es sei eines der ersten Unternehmen gewesen, das eine vollständig private Unterwasser-Linie gebaut habe. In deutschen Medien werden diese „gigantischen Bauprojekte“ der IT-Firmen etwa hier thematisiert.

Inhalte sind nicht genug: Google und Co. greifen nach dem technischen Rückgrat

Google steht nicht allein mit diesen Ambitionen, neben weiten Teilen der Inhalte des Internets auch dessen technisches Fundament kontrollieren zu können. In der Vergangenheit waren die Kabel laut Cooper im Besitz von Gruppen privater Unternehmen – meist Telekommunikationsanbieter. Aber 2016 begann ein massiver Boom für Unterwasser-Kabel – und vor allem seitdem heißen die Käufer Facebook, Microsoft und Amazon.

Diese Firmen scheinen alle die Bestrebungen von Google nach einer Vorherrschaft auf dem Meeresgrund zu teilen. Kein Wunder: Faseroptische Unterwasserkabel durchziehen weltweit den Meeresboden und transportieren laut Experten 95 bis 99 Prozent der internationalen Daten über Bündel von Glasfaserkabeln. Insgesamt sind heute mehr als 700.000 Meilen von Unterwasserkabeln im Einsatz, so Cooper. Und Google sei dabei, eine alarmierende Anzahl von ihnen zu besitzen: Sollte das Curie-Kabel fertiggestellt werden, würde Google international 10.433 Meilen Unterwasserkabel besitzen. Die Gesamtzahl erhöhe sich auf über 63.000 Meilen, wenn jene Kabel mit einbezogen würden, die Google im Konsortium mit Facebook, Microsoft und Amazon besitzt. Einschließlich dieser Kabel verfüge das Unternehmen über genügend Unterwasserinfrastruktur, um den Äquator der Erde zweieinhalb Mal zu umschlingen. …

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#Google#Facebook

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