Die Generation Now

Die Kinder protestieren für ihre Zukunft — und sie haben alles Recht der Welt, dies zu tun.

  • Hans Boës

68er-Opas, die Jugendliche wegen ihrer völligen politischen Passivität geißeln? Das gab es mal, aber es ist Vergangenheit. Heutige Jugendliche und sogar Kinder schreiten voran. Sie tun, was wir Älteren längst hätten tun müssen. Die Lage ist brenzlich, der Planet hat hohes Fieber, und unsere Planetengefährten — Tiere und Pflanzen — sterben uns weg. Doch auf der Titanic feiert das Bürgertum noch immer verschwenderische Feste, als ob es kein Morgen gäbe. Der Autor erinnert sich an seine eigene Sozialisation als Aktivist. Er fordert uns auf, uns an der Klugheit und dem Mut der Jüngeren ein Beispiel zu nehmen. Der richtige Zeitpunkt zu handlen ist jetzt — spätestens!

Seit einigen Monaten machen die Kinder auf das Klima und auf ihre Zukunft auf diesem Planeten aufmerksam. Ich kann nur sagen: „Recht habt ihr! Es ist eure Zukunft. Nehmt sie gleich mal in die Hand! Besser jetzt als später. Nichts kann euch besser schulen als die politische Auseinandersetzung.“

Ich war selbst jahrelang Schülersprecher und die damaligen politischen Auseinandersetzungen haben mich fürs Leben geschult, haben mir im Laufe der Jahre auch sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Natürlich gibt es Widerstände, es ist ja auch so unbequem, aus seinem Auto auszusteigen, seinen Lebensstil zu ändern. Aber wie sagte Max Planck: „Neue Ideen setzen sich nicht durch, die alten sterben aus.“

Gebt nicht auf. Ihr seid die Zukunft dieses Planeten. Er gehört Euch!

Warum ist das Thema Klima so dringend?

Als mir 1992 das Ausmaß der CO2-Akkumulation bewusst wurde, war ich für einige Zeit tatsächlich ein wenig ein Klimahysteriker. Ich dachte im wahrsten Sinne des Wortes, die Welt geht — zumindest für meine Enkel — unter, wenn wir so weitermachen wie bisher. Denn CO2 hat eine durchschnittliche Verweilzeit in der Atmosphäre von etwa 200 Jahren. Also alles CO2, welches wir jetzt in die Luft blasen, bleibt dort für mehrere Generationen.

Was mich besonders alarmierte, war der Artikel von Wilfried Bach „Notwendige Schritte in eine zukunftsfähige Welt“ aus dem Jahr 1992 (1). Darin zeigt er sehr eindrücklich, dass, wenn wir die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 deutlich reduzieren (Abbildung 1a), es uns gelingen wird, die globale CO2-Konzentration bis zum Jahr 2100 auf unter 450 ppm (Parts per million) zu reduzieren (Abbildung 1b).

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Abbildung 1: (a) Globale CO2-Emissionen sowie weitere Treibhausgase, (b) globale CO2-Konzentration sowie anderer Treibhausgase bis 2100 (1)

Mir war schlagartig klar, genau das wird erst einmal nicht passieren, sondern die CO2-Emissionen werden munter weiterwachsen und damit auch die globale CO2-Konzentration für die nächsten Generationen. Ich arbeitete gerade am Sekretariat für Zukunftsforschung in Nordrhein-Westfalen und wir versuchten, nachhaltige Lösungen für den neu entstehenden Emscher-Planungsraum im Ruhrgebiet zu finden. Schon dort hatten wir mit einem erheblichen Wachstum des Verkehrsaufkommens in den nächsten 20 Jahren zu rechnen — vor allem aufgrund der deutsch-deutschen Wiedervereinigung.

Mir war aber bewusst, dass nicht nur im Ruhrgebiet die Entwicklung immer noch auf Wachstum ausgerichtet war, sondern weltweit gerade eine Globalisierung des westlichen Lebensstils stattfand. Weltweit wollten Milliarden Menschen genauso leben wie wir. Ich war damals sehr wütend und schrieb beispielsweise:

„Wir fahren vor die Wand — und geben dabei jedes Jahr noch 5 Prozent mehr Gas. Denn wie anders soll man es beschreiben, wenn der westliche Lebensstil nun weltweit nachgeahmt wird, wenn jetzt vier Fünftel der Weltbevölkerung auch ein Auto haben wollen, auch fließend warmes Wasser, eine Heizung im Winter und Air-Conditioning im Sommer, ein eigenes Häuschen im Grünen mit Whirl-Pool-Anlage, Autobahnanschluss und dem Flughafen nicht weiter als 30 Minuten entfernt. Dieser Multiplikatoreffekt ist das eigentlich beängstigende an der derzeitigen Situation. Es scheint, als ob die Ausmaße der Lawine, die eine reiche, westliche Elite in Gang bringt, nicht erkannt werden. Schon gar nicht von ihr selbst“ (2). …

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