Sind die USA nach der Transformation des Krieges zum Frieden fähig?

Die Angriffe auf die wichtigsten saudischen Ölverarbeitungsanlagen stellen einen Wendepunkt in der Geschichte der USA dar, darin sind sich viele einig. Unklar ist allerdings, ob Washington jetzt einen neuen Weg einschlagen wird und ob die US-Eliten dazu bereit sind.

  • Zlatko Percinic

Die bis heute gültige Strategie der USA im Mittleren Osten geht auf das erste Treffen zwischen einem US-Präsidenten und dem Gründer eines Königreiches auf der Arabischen Halbinsel zurück, das den Namen des Klans trägt: Saudi-Arabien. Am 14. Februar 1945, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, lud Präsident Franklin D. Roosevelt (FDR) Abd al-Aziz ibn Saud (ibn Saud) auf ein geheimes Treffen an Bord des Zerstörers USS Quincy, der im Sueskanal ankerte. Bei dem Treffen ging es vor allem um zwei Dinge: Öl und die Umsetzung der Balfour-Deklaration zur Errichtung einer jüdischen “Heimstätte” in Palästina.

Archivbild, Militärstützpunkt al-Chardsch südlich von Riad, 5. September 2019: Überreste einer abgefangenen, angeblich den Huthis gehörenden Militärdrohne. Gut zu sehen: der Wankelmotor im Bug des Fluggerätes

Mehr lesen:“Passt auf Eure gläsernen Wolkenkratzer auf” – Huthis drohen mit weiteren Angriffen

Ibn Saud galt zu diesem Zeitpunkt als einer der mächtigsten arabischen Herrscher, nachdem er und seine wahhabitischen Ichwān nahezu die gesamte Arabische Halbinsel erobert, gegnerische Stämme unterjocht und sich selbst zum Beschützer von Mekka und Medina proklamiert hatten, den wichtigsten Heiligtümern des Islams. Zudem haben US-Unternehmen Ende der 1930er-Jahre reiche Erdölvorkommen im Osten des Königreichs entdeckt, was Washington einen ersten Fußabdruck in einer von Großbritannien dominierten Region erlauben sollte.

Mit der Befreiung von Auschwitz durch sowjetische Truppen nur wenige Wochen vor dem Treffen wurde das ganze Ausmaß der Judenvernichtung durch die Nazis der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Roosevelt suchte daher nach Möglichkeiten, Juden aus Europa nach Palästina zu bringen, nachdem sich auf der Konferenz von Évian im Juli 1938 kein westliches Land – auch nicht die USA – dazu durchringen konnte, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen.

Doch auf der USS Quincy lief es für Roosevelt nicht wie geplant. Obwohl die beiden Männer umgehend eine Art tiefen Respekt und freundliche Zuneigung füreinander empfanden, gab ibn Saud dem Drängen von FDR nach seiner Zustimmung zur Aufnahme jüdischer Flüchtlinge in Palästina nicht nach. Laut dem anwesenden Übersetzer und Roosevelts eigenen Angaben zum Stand der Gespräche bestand ibn Saud darauf, dass Deutschland eigene Gebiete für Juden abtreten sollte, nachdem es immerhin auch die Deutschen waren, die die “Verbrechen und Unterdrückung” begangen haben.

Aber beim Thema Öl waren sich Roosevelt und ibn Saud einig. Saudi-Arabien sollte nicht unter britischen Einfluss gelangen, sondern fest im Orbit der Vereinigten Staaten von Amerika bleiben. Das beinhaltete auch den künftigen Zugang zu billigem Öl, das Washington als strategischen Rohstoff als wichtig für die nationale Sicherheit deklarierte.

Diese Übereinkunft sollte nicht nur den Tod Franklin D. Roosevelts nur acht Wochen nach diesem Treffen überdauern, sondern auch den Krieg 1948/49, der zur Gründung des modernen Staates Israel und der Vertreibung Hunderttausender Palästinenser führte.

Für sämtliche Amtsinhaber im Oval Office des Weißen Hauses waren seitdem diese drei Säulen der US-Politik im Mittleren Osten sakrosankt: Israel, Saudi-Arabien und Öl. Sämtliche Strategien und Überlegungen in und für die Region wurden diesen drei Säulen untergeordnet. Zwischen 1969 und 1979 existierte mit dem Iran noch eine vierte Säule. Allerdings führte genau diese zu enge Anbindung an die USA und Israel zum Niedergang der Pahlavi-Dynastie im Iran, der auch nicht mehr durch Repression und Gewalt zu verhindern war.

Alle Kriege in der Region seit 1967 und alle “Friedensverhandlungen” lassen sich auf diese drei Prinzipien der US-Außenpolitik zurückführen. Man hatte in Washington keinerlei Probleme mit Diktatoren oder dem Export des extremistischen Wahhabismus, solange sich ein “Frieden” mit Israel erkaufen ließ und das Öl ungehindert floss. Jeder, der es trotzdem mit dem einen oder anderen aufnahm, wurde entweder aus dem Weg geräumt oder wirtschaftlich in Knie gezwungen. Und stets sorgten das US-Militär – und mit ihm auch das israelische Militär – und der gesamte militärisch-industrielle Komplex dafür, dass eine Drohkulisse wie ein Damoklesschwert über etwaigen Abweichlern hing. Entweder man befand sich auf der Seite der USA, oder man wurde bekämpft. Für eine friedliche Koexistenz war auf diese Weise kein Platz.

Bis zu den Angriffen am 14. September auf die saudischen Ölinstallationen, der Lebensader des Al-Saud-Klans, hatte diese Formel Bestand, auch wenn schon seit geraumer Zeit gewisse Risse zu bemerken waren. Aber am vergangenen Wochenende hat definitiv eine Zeitenwende stattgefunden, über die man noch lange sprechen wird. …

https://deutsch.rt.com/meinung/92562-sind-die-usa-nach-transformation-des-krieges-zum-frieden-faehig/

#Saudi#Jemen#Yemen

This entry was posted in Frieden, Geldsystem, Krieg, Politik, Selbstorganisation, Terror and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply