Führungswechsel bei Verdi

Frank Bsirske zieht sich diese Woche nach 18 Jahren vom Vorsitz der Dienstleitungsgewerkschaft Verdi zurück. Sein Nachfolger ist Frank Werneke, der seit 2003 stellvertretender Vorsitzender von Verdi ist.

  • Peter Schwarz

Bisrske steht wie kaum ein anderer für die Verwandlung der Gewerkschaften aus reformistischen Arbeiterorganisationen in Co-Manager, die den Klassenkampf unterdrücken, die Arbeiter disziplinieren und Lohnsenkungen und Entlassungen durchsetzen. Seine Bilanz an der Spitze der zweitgrößten deutschen Gewerkschaft liefert einen anschaulichen Beweis, dass es unmöglich ist, diese hochbezahlten bürokratischen Apparate im Interesse der Arbeiter zu reformieren, und dass die Verteidigung elementarer sozialer Rechte einen Bruch mit den Gewerkschaften und den Aufbau unabhängiger Aktionskomitees erfordert.

Als Bsirske im November 2000 an die Spitze der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) gewählt wurde, kam er gewissermaßen von der Gegenseite. Als Personaldezernent der Stadt Hannover hatte er in den drei Jahren davor rund 1000 der insgesamt 16.000 Arbeitsplätze in der Stadtverwaltung gestrichen.

Zuvor hatte er die typische Laufbahn eines Karrierebürokraten absolviert, in deren Verlauf er nie auch nur im entferntesten mit produktiver Arbeit in Berührung kam: Studium der Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin (1971 bis 1978), Bildungssekretär der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken im Bezirk Hannover (1978-1987), ÖTV-Funktionär in Hannover und Niedersachsen (1989-1997) und Stadtrat in Hannover (1997-2000).

Untypisch an Bsirskes Karriere war lediglich, dass er sich politisch den Grünen und nicht der SPD anschloss. Doch damit zeigte er einen guten Riecher. Sein Aufstieg zum ersten grünen Vorsitzenden einer DGB-Gewerkschaft fiel in die Zeit der ersten rot-grünen Bundesregierung, was ihm hervorragende Verbindungen zu beiden Regierungsparteien verschaffte.

Bsirske wurde an die Spitze der ÖTV berufen, weil es seinem Vorgänger Herbert Mai nicht gelungen war, die nötigen Delegiertenstimmen für den Zusammenschluss von fünf Gewerkschaften – der ÖTV, der Gewerkschaft Handel Banken und Versicherungen (HBV), der Postgewerkschaft, der IG Medien und der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) – zur Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) zu gewinnen. Die Fusion verfolgte das Ziel, den Apparat gegenüber den Mitgliedern zu stärken, die vielfach rebellierten und die Gewerkschaften in Scharen verließen.

Mai, der sich mit aller Kraft für den Zusammenschluss eingesetzt hatte, trat zurück, und die geschockten Delegierten wählten mit überwältigender Mehrheit Bsirske zu seinem Nachfolger, der die Fusion weiter energisch vorantrieb. Im März 2001 wurde Verdi gegründet und Bsirske zu ihrem bisher einzigen Vorsitzenden gewählt.

Die Gründung von Verdi fiel in eine kritische Zeit. Die rot-grüne Koalition von Gerhard Schröder und Joschka Fischer, die ihren Wahlsieg 1998 der Empörung über die unsoziale Politik der Regierung Helmut Kohls (CDU) verdankt hatte, schwenkte auf einen Kurs des Sozialabbaus ein, der in massiven Steuersenkungen für die Reichen, der Agenda 2010 und den Hartz-Gesetzen gipfelte. Verdi spielte eine entscheidende Rolle dabei, den Widerstand gegen diese soziale Konterrevolution zu unterdrücken und die damit einhergehenden Kürzungen auf die Beschäftigten im öffentlichen Dienst abzuwälzen. …

https://www.wsws.org/de/articles/2019/09/25/bsir-s25.html

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