Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen

Nach der aufsehenerregenden und aufrüttelnden Rede der Klimaaktivistin Greta Thunberg und einer Woche voller Protestzüge und Aktionen, mit denen Menschen weltweit einen effektiven Klima- und Umweltschutz forderten, ruft der renommierte US-Journalist Chris Hedges zu gewaltfreiem zivilen Ungehorsam auf. Demonstrationen alleine bewirkten nichts gegen die rücksichtslose Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch die Herrschaft der Konzerne und ihrer Handlanger in der Politik.

  • Aus dem Englischen von Susanne Hofmann

Der weltweite Schülerstreik vom vergangenen Freitag wird genauso folgenlos bleiben wie die Massenmobilisierung von Frauen nach der Wahl Donald Trumps oder der Protest von Hundertausenden, die gegen den Irak-Krieg auf die Straße gingen. Das heißt nicht, dass es diese Proteste nicht hätte geben sollen. Im Gegenteil. Doch derartige Demonstrationen müssen auf dem Boden der bitteren Realität stehen, dass wir in den Führungsetagen nicht zählen. Lebten wir in einer Demokratie, was wir nicht tun, hätten unsere Hoffnungen, Rechte und Forderungen, insbesondere die Forderung, dass wir dem Klimanotstand entgegentreten müssen, einen Einfluss. Wir wären in der Lage, Repräsentanten an die Regierungsmacht zu wählen, um einen Wandel zu bewirken. Wir wären imstande, Umweltgerechtigkeit von den Gerichten zu verlangen. Wir könnten Ressourcen in die Beseitigung von Kohlendioxidemissionen umleiten.

Wahlen, Lobbyarbeit, Petitionen und Proteste, um die herrschenden Eliten dazu zu bringen, rational auf die Klimakatastrophe zu reagieren, haben sich als genauso ineffektiv erwiesen wie das Flehen der an Skrofulose Erkrankten an Heinrich VIII., sie durch königliche Berührung zu heilen. Die bekannten Taktiken, die Umweltschützer in den letzten Jahrzehnten angewandt haben, waren spektakuläre Misserfolge. Im Jahr 1900 erzeugte das Verbrennen fossiler Brennstoffe – vor allem von Kohle – ungefähr zwei Billionen Tonnen CO2 im Jahr. Diese Zahl hatte sich bis 1950 verdreifacht. Heute wird 20 Mal so viel Kohlendioxid emittiert wie 1900. Während der letzten zehn Jahren schritt die CO2-Zunahme 100 bis 200 Mal schneller voran als weltweit seit dem Übergang von der letzten Eiszeit. Am 11. Mai verzeichnete das Mauna Loa Observatorium in Hawaii 415,26 ppm CO2 in der Luft. Man geht davon aus, dass es sich dabei um die höchste Konzentration seit der Entwicklung des Menschen ist. Wir werden ein neues Paradigma des Widerstandes ergreifen oder zugrunde gehen.

Die herrschenden Eliten und die Konzerne, denen sie dienen, sind die Haupthindernisse eines Wandels. Sie können nicht reformiert werden. Und das heißt: Revolution, also das, was Extinction Rebellion erreichen möchte mit seinem Ruf nach einer „internationalen Rebellion“ am 7. Oktober. An diesem Tag will es die Stadtzentren auf der ganzen Welt mittels anhaltendem zivilen Massenungehorsam stilllegen. Wir müssen die Macht übernehmen. Und nachdem die Eliten ihre Macht nicht freiwillig abgeben werden, werden wir sie uns durch gewaltfreie Aktion nehmen müssen.

Proteste können ein politisches Bewusstsein einleiten. Sie können aber auch lediglich leeres politisches Theater sein. Sie können dazu benutzt werden, unsere moralische Integrität zu feiern –Werbung für uns selbst im Zeitalter der Sozialen Medien. Sie können Schaufenster-Aktivismus sein, bei dem sich Demonstranten durch Polizeibarrikaden leiten lassen und Verhaftungen höflich choreografiert werden, was dazu führt, dass die Demonstranten einige Stunden im Gefängnis sitzen und sich damit als Radikale ausweisen. Sie können dafür benutzt werden, uns von einer abstoßenden politischen Figur wie Donald Trump zu distanzieren, aber unser stilles Einverständnis geben, wenn die gleiche Politik von einem vermeintlichen Progressiven wie Barack Obama betrieben wird. Dies ist ein Spiel, das der Staat gelernt hat, zu seinem Vorteil zu spielen. So lange wir die Maschine nicht stören, so lange wir gemäß ihren Regeln protestieren, werden uns die Eliten in pinken Wollmützen durch die Straßen von Washington marschieren oder einen Tag lang der Schule den Rücken kehren lassen.

Ist die Macht bedroht, so wie es während der lange anhaltenden Proteste im Rahmen der Occupy-Belagerung und im Reservat Standing Rock der Fall war, reagieren die herrschenden Eliten ganz anders. Sie setzen das ganze Gewicht des Überwachungsstaates dafür ein, die Demonstranten zu dämonisieren, ihre Anführer zu verhaften und festzusetzen und Agents provocateurs einzuschleusen, die gewaltsame Angriffe ausführen, um zu rechtfertigen, dass Polizei und Sicherheitskräfte die Proteste abwürgen. …

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#ChrisHedges

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