Türkische Proxy-Truppen: “Das übelste Gesindel”

Milizen der “Nationalen Syrischen Armee” machen mit Greueltaten auf Gangstertum in ihren Reihen aufmerksam. Früher wurden sie als FSA noch von Golfstaaten und westlichen Ländern unterstützt

  • Thomas Pany

Es gibt viele Fragen, große und nebensächliche, die durch die türkische Offensive in Nordsyrien aufgeworfen werden. Zu den Fragen am Rand des Geschehens gehört, was eigentlich die White Helmets jetzt so machen, da eine syrische Zivilbevölkerung erneut Bombardements ausgesetzt ist?

Immerhin tragen die Weißhelme ja einen großen nationalen Anspruch in ihrem Titel. Sie nennen sich “Syria Civil Defence” und nicht etwa “Idlib Civil Defence”. Mit ihrem Anspruch, dass ihre heroischen Hilfsaktivitäten für das ganze unterdrückte Syrien stehen, haben sie große Sympathien in den westlichen Medien und in Hollywood (George Clooney) gewonnen, finanzielle Unterstützung von der britischen und der französischen Regierung bekommen, gute Presse allenthalben und Prestige, wie etwa bei den Empfängen im französischen Präsidentenpalast. Sie standen für das “bessere Syrien”, das sich gegen den brutalen Diktator, dessen Fassbomben und die russischen Helfer wehrt.

Wer sie weiter als unabhängige zivile Hilfsorganisation begreifen will, der an der Linderung der Leiden im “vom Krieg gebeutelten Syrien” liegt, könnte sich anhand ihres Einsatzschwerpunktes in Idlib und im Gebiet bei Aleppo die Frage stellen, wie es kommt, dass die Truppe ihre PR-Bilder immer nur in Herrschaftsgebieten oppositioneller, islamistischer Milizen macht?

Ist das tatsächlich diese unabhängige und neutrale Organisation, auf deren Zeugenaussagen sich die von westlichen Regierungen erhobenen Giftgas-Angriffsklagen gegen die syrische Armee wesentlich stützten? Könnte sich der Chor der westlichen Verteidiger zivilisatorischer Werte (Spiegel, Zeit, SZ, Tagesschau) bei seinem Blick auf die Situation in Syrien etwa in ein paar Punkten getäuscht haben?

Die Nationale Syrische Armee

Auch zur neuen “Nationalen Syrischen Armee”, die als Infanterie für den türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien dient, gibt es ein paar Fragen. Die ganz große lautet, ob sie im Erfolgsfall mit den Syrern auf der Seite Baschar al-Assads so umgegangen wäre, wie die Ahrar al-Sharkiya mit drei Kurden, die sie auf der Schnellstraße M4 festgehalten und “standrechtlich” getötet hat?

Die Grausamkeiten, an denen auch der Chef der Gruppe beteiligt war, wurden von der Miliz auf Videos dokumentiert und verbreitet (die Videos dazu kursieren im Netz, werden aber hier nicht verlinkt). Wir hatten schon berichtet: Türkei bombardiert gezielt IS-Gefängnisse).

In der UN bewertet man dies als Kriegsverbrechen.

Welche Kontrolle ist möglich?

Ahrar al-Sharkiya (im Deutschen korrekt mit Ahrar asch-Scharkija transkribiert) wird auch das Massaker an der kurdischen Politikerin Hevrin Khalaf angelastet, auch dieser Gewaltakt soll einer “Hinrichtung” gleichgekommen sein. Zum Chef der Gruppe, Abu Hatem Shakra (auch: Abu Hatem Shakra), der gerne vor den Kameras postiert, liefert ein englisch-sprachiger Hintergrund von Euphrates Post reichlich Informationsmaterial.

Man könnte das Porträt des ehemaligen al-Qaida-Miglieds, das sehr viele Details enthält, so zusammenfassen: Es handelt sich um einen brutalen, skrupellosen, betrügerischen, geldgierigen Gangster und Mörder, der große Summen von Golfstaaten erhielt, über weitgespannte Beziehungen verfügt (auch nach Deutschland) und dessen Miliz bei türkischen Militäroperationen eine größere Rolle spielt. Man hatte ihr diesmal Zurückhaltung auferlegt – ganz offensichtlich vergeblich, was zur Frage führt, welche Kontrolle die türkische Militärführung über solche Gruppen hat?

Dazu kommt, dass man der türkischen Militärführung unterstellen muss, dass sie mit Gewalttaten dieser Miliz rechnen konnte, da sie diese gut von der Operation “Ölzweig” in Afrin kennt, wo Ahrar al-Sharkiya mit Plünderungen und anderen Verbrechen bereits mehrfach aufgefallen ist. Der Terror der Miliz mit Verbindungen zur al-Qaida dürfte demnach ins türkische Kalkül passen.

Angesichts dessen, dass Ahrar al-Sharkiya zur “Nationalen Syrischen Armee” gehört, die auf Initiative der Türkei als Nachfolgerin der “Freien Syrischen Armee” (FSA) ins Leben gerufen wurde, kann man an die oben gestellte größere Frage anknüpfen. Was wäre geschehen, wenn die von Golfstaaten, von den USA und europäischen Ländern über Jahre hinweg mit Geld, Waffen und sympathisierender Berichterstattung unterstützten FSA-Milizen tatsächlich die Oberhand gewonnen und die Regierung in Damaskus abgelöst hätten? …

https://www.heise.de/tp/features/Tuerkische-Proxy-Truppen-Das-uebelste-Gesindel-4559155.html

#USandISIS#YinonPlan

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