Die Billionen des Schreckens. Soziales Elend, militärische Eskalation und Nationalismus als Nachbeben der Finanzkrise. Teil 1

Was hat der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers mit dem Krieg in der Ukraine zu tun? Warum pumpen die Zentralbanken bis heute billiges Geld in die Märkte? Wäre die noch immer gärende Krise nach 2008 mit klügerer Regulierung vermeidbar gewesen? Und wie haben Donald Trump und Boris Johnson vom 52 Billionen Dollar schweren Sektor der Schattenbanken profitiert? Wir versuchen diese Fragen in einer dreiteiligen Serie zu beantworten. Dabei erklären wir auch, wie der Mechanismus des Crashs von 2008 aussah und was ihm in der «Realökonomie» bis heute entspricht. Schliesslich soll gezeigt werden, warum der nächste Crash auf uns wartet. Und es soll die Frage gestellt werden, was daraus angesichts der aktuellen Weltlage folgt.

  • Klaus Klamm

Am 15. September 2008 endete das lange währende Wirtschaftsmärchen der Neoliberalen mit einem Paukenschlag. An jenem Montag meldete Lehman Brothers Konkurs an. Die US-amerikanische Grossbank hinterliess einen Schuldenberg von rund 1200 Milliarden Dollar und ein panisches Finanzsystem. Die Märkte stürzten ab, der Dow Jones verlor in Tagesfrist über 500 Punkte. Es war der stärkste Kurseinbruch seit 2001 die Türme des World Trade Centers nach einem Terroranschlag kollabiert waren. Die Bilder von Manhattan gingen auch dieses Mal um die Welt: Erschütterte Banker*innen strömten mit ihren Siebensachen aus dem Hauptgebäude der Investmentbank am Times Square. Derweil starrten einige Kilometer entfernt an der Wallstreet Börsenhändler*innen fassungslos auf die Anzeigetafeln mit den einbrechenden Aktienkursen. «Ihr eignes Aufeinanderstossen produziert ihnen eine über ihnen stehende, fremde gesellschaftliche Macht; ihre Wechselwirkung als von ihnen unabhängigen Prozess und Gewalt.» (Karl Marx)

Die Finanzmärkte wurden durch den Kollaps von Lehman Brothers in ihren Grundfesten erschüttert: Der Interbankenmarkt brach zusammen, es wurde unmöglich zu annehmbaren Konditionen an lebenswichtige Kredite zu kommen. Was seinen Ursprung im US-Hypothekenmarkt hatte, eskalierte zur Krise des globalen Finanzsystems. Diese bedrohte weltweit gigantische Finanzhäuser und richtete schliesslich wirtschaftliche, soziale und politische Verheerungen in der ganzen Welt an. Das Entsetzen der Wallstreet-Broker*innen vom September 2008 sollte in den kommenden Jahren in den Gesichtern verarmter Proletarisierter wiederkehren.

Auf das Ende der Mär von den selbstheilenden Märkten folgte bis dato nicht der Aufstieg der Linken mit ihrem alternativen Wirtschaftsprogramm. Im Gegenteil erklang nach einigen Jahren grosser Katzenjammer in der Sozialdemokratie dies- und jenseits der Parlamente. Nachdem um das Jahr 2011 im Zuge der Krise noch weltweit Millionen Menschen mit sozialen Forderungen auf die Strasse gegangen waren, folgte das Debakel von Syriza, der Krieg in der Ukraine und der Erfolg der Nationalist*innen rund um dem Globus. Kennzeichnend für die Nachwehen des Crashs sind nach zehn Jahren nicht Verfechter einer besseren Gesellschaft, sondern erstarkte nationale Demagog*innen und ihre Anhänger*innen. Wer den Aufstieg von Donald Trump und Boris Johnson aber auch die soziale und medizinische Katastrophe in Griechenland sowie das geopolitische Schlamassel und die Massaker in der Ukraine verstehen will, muss die Krise und ihre politische Bewirtschaftung verstehen. …

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