Profiteure des Krieges

Die US-Iran-Krise – Während die Welt in Sorge um einen neuen Krieg in Nahost den Atem anhielt, ließen die CEOs und Shareholder der weltweit größten Rüstungskonzerne die Sektkorken knallen.

  • Jakob Reimann

Um die Jahreswende eskalierten in Nahost die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Mit einem maximal inkompetenten Narzissten im Weißen Haus steht die Welt anno 2020 so nah an einem potentiellen Krieg zwischen den beiden Erzfeinden wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit der Islamischen Revolution 1979. Entgegen den Beteuerungen der Trump-Administration, die völkerrechtswidrige Hinrichtung von General Qassem Soleimani hätte die Welt zu „einem sichereren Ort“ gemacht, ist das genaue Gegenteil der Fall. Über den Menschen in Israel, den Emiraten, Saudi-Arabien und dem Irak hängt auch nach dem Luftschlag Teherans gegen zwei US-Basen im Irak weiterhin das Damoklesschwert einer möglichen Vergeltung des Iran für die Hinrichtung seines höchsten Generals, des zweitmächtigsten Mannes im Land – mag eine weitere Eskalation im Moment zwar unwahrscheinlich sein, haben uns Trumps Neocon-Feuerteufel schon viel zu oft eines Besseren belehrt und der Welt ein ums andere Mal bewiesen, dass auch nur ein Funken militärstrategischer Rationalität und damit ein Mindestmaß an Vorhersehbarkeit von ihnen nicht zu erwarten ist.

Es gibt nur Verlierer in diesem Spiel mit dem Feuer. So scheint es. Doch ist auch dieser Satz nicht ganz korrekt, denn: Einen Gewinner gibt es schon.

Die Profiteure des Krieges

Es mag wie eine allzu abgedroschene Binsenweisheit anmuten, doch gibt es bei jedem Verbrechen immer auch Profiteure des Unrechts: Der Menschenhändler, der Sexsklavinnen aus Rumänien und dem Westbalkan nach Westeuropa verschleppt, verdient sich und seiner Familie ebenso ein Einkommen wie die vergleichsweise gutbezahlten Schlächter des IS und der Al-Qaida. In genau diese Reihe der Menschenfeinde möchte ich auch jene Gruppe der Profiteure stellen, die sich mit jeder zuspitzenden Eskalation im Nahen und Mittleren Osten und überall anders auf der Welt ihre Bankkonten üppig füllen: die Rüstungsindustrie. Ich kann mir kaum einen verwerflicheren, moralisch bankrotteren Beruf vorstellen als jenen all der Frauen und Männer dieser Welt, die mit dem Verkauf von Panzern und Raketen, von Drohnen, Gewehren und Giftgas ihr täglich Brot verdienen. Diese Menschen sind kein Teil der zivilisierten Gesellschaft, sie sind Misanthropen, Menschenfeinde, die sich mit dem Mord an Unschuldigen ihre Taschen füllen, und als genau das öffentlich geächtet werden müssen: als Komplizen an Massenmord.

Auf Markets Insider, der Börsensparte der weltweit renommierten Wirtschaftspublikation Business Insider vom Axel Springer Verlag, finden sich minutenaktualisiert die Börsenwerte der Konzerne dieser Welt. Ich habe mir die Marktentwicklungen der zehn umsatzstärksten Rüstungskonzerne der Welt (eigentlich neun, denn für die russische Almaz-Antey auf Platz neun gibt es keine öffentlich zugänglichen Daten) um die Jahreswende genauer angesehen, jene Woche vom 31. Dezember 2019 bis zum 6. Januar 2020 also, in der die gegenwärtige US-Iran-Krise zu eskalieren drohte, und konnte in der Tendenz zwar wenig Überraschendes, in dem Ausmaße jedoch äußerst Bezeichnendes ermitteln: Die neun umsatzstärksten Rüstungskonzerne der Welt vermehrten den Börsenwert ihrer Unternehmen in wenigen Tagen akkumuliert um schwindelerregende 22,8 Milliarden US-Dollar, oder 3,7 Prozent. Der Großteil dieser Zuwächse (20,7 Milliarden Dollar) fällt – verständlicherweise – auf die fünf größten US-Rüstungskonzerne, die ohnehin die fünf größten der Welt ausmachen: Lockheed Martin, Boeing, Raytheon, Northrop Grumman und General Dynamics (die britische BAE Systems auf Platz sechs der weltweiten Rüstungscharts hat immerhin um 670 Millionen Dollar oder 3,7 Prozent zugelegt; die italienische Leonardo um 189 Millionen Dollar (3,0 Prozent) und die französische Thales Group um 426 Millionen (2,2 Prozent)).

Die Profiteure des Krieges: US Rüstungskonzerne

Die fünf größten US-Rüstungskonzerne konnten im Zuge der eskalierenden US-Iran-Krise akkumuliert 20,7 Milliarden US-Dollar an Börsenwert zulegen. Rohdaten: Markets Insider. Rechnungen: Jakob Reimann, JusticeNow!.

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#Peace#Frieden#Kriegslügen

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