Die Eroberung der arabischen Welt durch NGOs

Regierungen mächtiger Staaten, insbesondere der USA, machen sich andere Staaten nicht nur durch militärische Macht und politischen und wirtschaftlichen Druck gefügig. Nicht zu unterschätzen ist die „Soft Power“, die unter anderem im Gewand von Nichtregierungsorganisationen auftritt.

Im Laufe der letzten 20 Jahre hat die Verbreitung „zivilgesellschaftlicher” Gruppen die politische Kultur so verändert, dass es westlichen kolonialen Interessen dient, meint As`ad AbuKhalil auf „Consortium News“. Den Text hat Susanne Hofmann übersetzt.

Die Eroberung der arabischen Welt durch NGOs

  • As`ad AbuKhalil

Während der letzten Jahrzehnte hat sich die Anzahl vom Westen unterstützter NGOs in allen arabischen Ländern erheblich erhöht. 2015 schätzte der palästinensische Premierminister, dass der Westen 800 Millionen US-Dollar für die Finanzierung von 2882 NGOs alleine im Westjordanland ausgab.

Diese Investition brachte westlichen Regierungen eine gute Rendite in Form entscheidender Veränderungen in der vorherrschenden politischen Kultur.

Während des Kalten Krieges konzentrierte sich die Politik des Westens darauf, Regime und politische Parteien zu unterstützen, um dem Kommunismus, dem Sozialismus und dem arabischen Nationalismus entgegenzuwirken. Doch die westlichen Regierungen scheinen den Glauben an politische Parteien verloren zu haben, wahrscheinlich, weil jüngere Araber immer seltener in eine Partei eintreten.

Jüngste Proteste im Irak, im Libanon und im Sudan haben gezeigt, dass politische Parteien nur noch eine eingeschränkte, ja beinahe gar keine Rolle mehr spielen. Ältere Generationen von Arabern strömten der Muslimbruderschaft, arabischen nationalistischen und linksgerichteten Parteien und Organisationen zu. Das ist nicht mehr der Fall. Dass arabische Jugendliche den politischen Parteien den Rücken kehren und sich stattdessen Facebook- und Whatsapp-Gruppen anschließen, liegt wahrscheinlich daran, dass erstere mit einem korrupten System assoziiert werden.

Westliche Regierungen wissen um diesen Wandel und haben ihre finanzielle Unterstützung von NGOs aufgestockt – stets im Namen der Menschen- und Frauenrechte sowie der „Beförderung der Demokratie“. Örtliche Regierungen – selbst Verbündete der USA und Regierungen, die von ihnen abhängen – wissen von der wachsenden Bedeutung von NGOs, und sie zögern nicht, Mitglieder lokaler NGOs festzunehmen und zu drangsalieren.

Der Bedeutungszuwachs der NGOs fällt mit dem Ende des Kalten Krieges zusammen; es war die Zeit, in der westliche Akademiker besessen waren vom Konzept der Zivilgesellschaft. Wissenschaftliche Konferenzen und Workshops wurden abgehalten, in denen man die Rolle der Zivilgesellschaft diskutierte, und NGOs sprossen in der ganzen Region aus dem Boden.

Doch daran war etwas nicht ganz koscher: Während es keine verlässlichen Zahlen zu den NGOs in der Region des Mittleren Ostens gibt, scheinen westliche Regierungen in NGOs in den Gebieten rund um Israel (insbesondere im Libanon, in Palästina und Jordanien) investiert zu haben. Nichtregierungsorganisationen behandelten Themen so, dass sie die Veränderung der politischen Kultur der arabischen Welt beförderten.

Gegen die arabische Einheit

Erstens wirken NGOs dem Grundprinzip des arabischen Nationalismus und der arabischen Einheit entgegen. Statt die Araber als ein Volk zu behandeln – so wie sie sich selbst sehen – sprechen NGOs von der arabischen Welt für gewöhnlich als die MENA-Region, die Middle East-North Africa-Region. Der Name tilgt jegliche politische Identität, die den israelischen Besatzungsstaat ausschließt. Die MENA-Region ist inzwischen die lexikalische Standard-Formel von NGOs in der arabischen Welt.

Zweitens konzentrieren sich NGOs auf Themen, bei denen Araber Opfer anderer Araber sind, nie jedoch Opfer von Westlern. Es gibt NGOs, die sich mit „Verbrechen im Namen der Ehre“ und „häuslicher Gewalt“ befassen. Doch westliche Regierungen haben kein Interesse daran, NGOs zu finanzieren, die die Zahl der Todesfälle eruieren, die auf das Konto westlicher und israelischer Bomben zurückgehen. Dies entspricht der Geisteshaltung weißer Rassisten, die sich mit den Verbrechen Schwarzer gegen Schwarze befassen, sich aber nicht darum scheren, wenn Schwarze von der Polizei erschossen werden.

Drittens befördern NGOs in der arabischen Welt Frieden, Pazifismus und die „Akzeptanz anderer“. Diese Ideale mögen löblich klingen, sie passen aber auch zufällig zur westlichen Agenda, auf eine Normalisierung des Verhältnisses zu Israel zu drängen. Arabisches Land wird noch immer von Israel besetzt – im Libanon, Palästina, Syrien, und was Ägypten angeht: Da ist es fragwürdig, dass Ägypten Souveränität über das Land besitzt, das Israel im Sinai gemäß der Bedingungen des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages geräumt hat. Israel setzt seine Aggression gegenüber Arabern fort.

Alleine in den letzten paar Jahren hat Israel Ziele im Sudan, im Libanon, in Palästina, Syrien, dem Irak bombardiert und Attentate auf Araber und Iraner weltweit verübt. Die Vorstellung, dass Araber sich an Gewaltlosigkeit halten sollten, während sie sich nicht nur der israelischen Besatzung ausgesetzt sehen, sondern auch westlichen Invasionen ihrer Länder – von Libyen bis zum Irak – hieße vor einer Fremdherrschaft zu kapitulieren. Wie hätte die französische Resistance gegen die Nazi-Besatzung auf Rufe nach Pazifismus reagiert? Und wie wären die Amerikaner im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit jenen umgegangen, die „die Akzeptanz der anderen“ und einen gewaltlosen Kampf predigten? …

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#NGO#ColorRevolution

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