Die größte Filterblase aller Zeiten

Medien verlassen sich in ihrer Berichterstattung zum großen Teil auf einige wenige international tätige Nachrichtenagenturen aus New York, London, Paris und Hamburg, deren politische Unabhängigkeit in Frage steht. Alternative Sichtweisen aus Moskau oder Peking kommen kaum vor. Journalisten, die diese Blickwinkel dennoch berücksichtigen, werden scharf kritisiert.

  • Paul Schreyer

Als die Berliner Zeitung jüngst, unter neuer Führung, damit begann, auch Meldungen der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass und der chinesischen Agentur Xinhua in ihren Berichten wiederzugeben, stieß das auf heftige Kritik. Die Spiegel-Journalistin Ulrike Simon schrieb empört von „Staatspropaganda direkt aus dem Kreml“.

Die russische Nachrichtenagentur würde „als normale Quelle behandelt, gleichwertig mit dpa und Reuters“, was „verstörend“ sei, da in Ländern wie Russland oder China demokratische Prinzipien so wenig gelten würden wie freie Presse. Erschwerend käme hinzu, dass die Berliner Zeitung die russische Nachrichtenagentur ausgerechnet bei einem Bericht über Syrien als Quelle verwendet habe.

Wenige Tage später zog die WELT mit ähnlicher Kritik nach. Das Vorgehen der Berliner Zeitung sorge „für Irritationen in der Branche“, so das zum Springer-Konzern gehörende Blatt:

„Neben unabhängigen Quellen wie der ‘New York Times’ oder der britischen Nachrichtenagentur Reuters werden dabei auch Quellen erfasst, die in Verbindung mit autoritären Regierungen stehen und deren Sicht in vermeintlich objektiver Form wiedergeben.“

Der Herausgeber der Berliner Zeitung, Michael Maier, konterte, es sei den Lesern „zumutbar, eine möglichst große Vielfalt von Quellen präsentiert zu bekommen“:

„Hier geht es nicht darum, ob der Journalist die russische Regierung nett findet oder nicht, sondern ob er verlässlich erfährt, welche Position die russische oder die chinesische Regierung offiziell zu einem Thema vertritt.“

Die lautstarke Kritik am neuen Vorgehen der Berliner Zeitung steht beispielhaft für eine unter Journalisten verbreitete Einschätzung: Demnach arbeiten „bei uns“ im Westen vor allem freie, unabhängige und um Objektivität bemühte Medien – im undemokratischen Osten hingegen dominiere autoritär gelenkte Propaganda, die man, gerade als Journalist, tunlichst zu meiden habe.

Aus dieser pauschalen Einschätzung ergeben sich jedoch Probleme, gerade bei der Berichterstattung zu internationalen Konflikten, wie dem Krieg in Syrien. …

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#Kriegslügen

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