Was die Neuwagenprämie über das Wesen des Finanzkapitalismus verrät

Wenn ich richtig zusammengezählt habe, haben die drei großen deutschen Autohersteller VW, BMW und Daimler 2020 insgesamt knapp sechs Milliarden Euro Dividende ausgeschüttet, im Wissen dass dieses Jahr ein furchtbares Jahr für sie werden wird.

  • Norbert Häring

Das Wirtschaftsministerium will nun, übereinstimmenden Medienberichten zufolge, fünf Milliarden Euro Steuergeld einsetzen, um den Absatz ihrer Autos zu fördern. Das ist so vielsagend über das Wesen des Kapitalismus wie es nur geht.

Als die Autobauer über die Dividende entschieden, war die Debatte über eine Absatzförderung mit Steuermitteln bereits in vollem Gange. Bei Daimler wurde die Dividende immerhin im Vergleich zu den Vorjahren drastisch gekürzt, bei VW wurde sie erhöht. Dazu dürfte Großaktionär Niedersachsen maßgeblich beigetragen haben, das soll nicht verschwiegen werden.

So oder so: Mit knapp sechs Milliarden Euro hätte man den Preis von knapp zwei Millionen Neuwagen um 3.000 Euro senken können, mit dem gleichen absatzfördernden Effekt wie eine staatliche Kaufprämie.

Der Unterschied wäre allerdings, dass die Milliardärsfamilie Quandt/Kladden, Niedersachsen, Blackrock-Anleger und andere Aktionäre um den entsprechenden Betrag weniger reich oder gar ein bisschen ärmer geworden wären.

Das Steuergeld, dass der Wirtschaftsminister einsetzen will, dient also nur zur nachträglichen Finanzierung der Dividende der Aktionäre.

In Horrorjahren die Dividende auch einmal (oder zweimal) ausfallen zu lassen, sollte eigentlich möglich sein, würde man denken, angesichts der hohen Renditen, die die Aktionäre in guten Jahren in Form von Kursgewinnen und Dividenden einstreichen. Aber ganz so leicht ist es nicht. Bevor wir zu den Hindernissen kommen, ein ganz kurzer Blick auf die ökonomische Kapitaltheorie, die derartige Raubzüge der Kapitalbesitzer ideologisch unterfüttert und rechtfertigt.

Geld arbeitet nicht, Geld lässt arbeiten

Für Lehrbuchökonomen ist Kapital der zweite Produktionsfaktor neben Arbeit. (Darum, dass diese Theorie die Produktionsfaktoren Boden und Energie praktisch ignoriert, soll es hier nicht gehen, auch wenn es wichtig ist.) Arbeit und Kapital wirken zusammen um Güter zu produzieren. Kein Kapital, keine Produktion.

Die Lehrbücher machen dabei aber keinen Unterschied zwischen Maschinen und Anlagen, die tatsächlich in der Produktion eingesetzt werden, und Finanzkapital, umgangssprachlich auch einfach Geld genannt.

Geld arbeitet aber nicht, Geld lässt arbeiten. …

https://norberthaering.de/die-regenten-der-welt/autokaufpraemie/

#GeldRegiert

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