“Wir wissen alle nicht, ob Amri den LKW gefahren hat”

Im Untersuchungsausschuss entpuppt sich die Spurenauswertung des BKA in weiten Teilen als mutwillig und willkürlich

  • Thomas Moser

Es ist ein Satz wie ein Verdikt, das die massiven Zweifel an der offiziellen Tat- und Täterversion des Anschlags vom Breitscheidplatz in Berlin zum Ausdruck bringt: “Wir wissen alle nicht, ob Anis Amri gefahren ist. Aber nach der Spurenlage waren noch andere Personen im LKW.” Gesagt hat ihn der Grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz im Laufe der jüngsten Sitzung des Untersuchungsausschusses. Das vernichtende Urteil galt einem Kriminalhauptkommissar des BKA, der viele Spuren nicht erklären konnte, aber trotzdem an der offiziellen Amri-Alleintäter-Version festhielt – so wie vor und nach ihm weitere BKA-KollegInnen.

Die Arbeit des Untersuchungsgremiums drängt zu einer Konsequenz: War Amri der Mann, der im LKW saß? “Wir wissen nicht, ob es Amri war”, heißt noch nicht: “Amri war es nicht.” Aber wir stehen unmittelbar vor dieser Feststellung. Von Notz spricht inzwischen nur vom “vermeintlichen Attentäter Amri”. Das ist weniger als die Formel vom “mutmaßlichen Täter” und viel weniger als die Behauptung: “Amri war der Täter.”

Das Drängen zur Konsequenz beinhaltet auch die Frage: Warum haben sich die zentralen Ermittlungsinstanzen so mutwillig auf den angeblichen Alleintäter Amri festgelegt? Der Tunesier war zweifelsfrei zur Tatzeit in Tatortnähe. Das belegt die Videoaufnahme von 20:06 Uhr in der U-Bahnunterführung am Bahnhof Zoo. Und er war im Besitz der Tatpistole. Er war mindestens Teil einer Tätergruppierung. Wenn er aber nicht der Fahrer war, dann saß jemand anderes am Steuer des Mordfahrzeuges.

Das heißt zugleich: Der Anschlag ist offen. Täter und Mittäter sind noch zu suchen. Amri kann dabei als erster gesicherter Mittäter angesehen werden. Für dieses Szenario spricht inzwischen mehr, als für die offizielle Version. Ermittler, aber auch die politischen Aufklärer in den Untersuchungsausschüssen müssen sich mit weiteren Personen, die in Verbindung zu Amri standen, beschäftigen – ähnlich gründlich wie mit der Person Amri und inklusive der nicht wenigen V-Personen von Sicherheitsbehörden in diesem Umfeld. Durch die nahezu ausschließliche Konzentration auf Amri wurde viel Zeit vertan.

Der Fall erweist sich so gesehen auch als Exempel, wie mit dem Setzen eines Namens ein ganzer Apparat manipuliert und in eine bestimmte Richtung gelenkt werden kann – ob beabsichtigt oder nicht, sei einmal dahin gestellt.

Die fragwürdige Beweislage im Fall Breitscheidplatz erinnert frappierend an die gescheiterte Aufklärung anderer Terroranschläge, wie bei den Komplexen NSU oder Oktoberfestbombe in München. Die (Allein-)Täterschaft von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in der NSU-Mordserie ist genauso wenig nachgewiesen, wie die von Gundolf Köhler im Fall der Bombe auf das Oktoberfest. Für alle drei Terrorkomplexe gilt: So, wie es die Bundesanwaltschaft darstellt, die oberste Strafverfolgungsbehörde der Bundesrepublik, war es nicht. Nur: Wie es war, das kann man zur Zeit nicht sagen. …

https://www.heise.de/tp/features/Wir-wissen-alle-nicht-ob-Amri-den-LKW-gefahren-hat-4770810.html

#Staatsterror#FakeNews

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