Syrien: Maximaler Druck auf die Bevölkerung

Neue US-Sanktionen, Wirtschaftskrieg und “Kollateralschäden”: “Ein Monatsgehalt reicht gerade für zwei Wassermelonen”

  • Thomas Pany

Neue US-Sanktionen, die Mitte Juni anstehen, wie auch die Bankenkrise im Libanon beschleunigen die Sturzfahrt der syrischen Lira (öfter auch: Pfund). Die Währung hat gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert verloren. In Damaskus mussten gestern 2.900 syrische Lira für einen Dollar bezahlt werden. Anfang des Jahres genügten 900 syrische Lira, vor Ausbruch des Kriegs, 2011, genügten noch 47 Lira.

Wie im benachbarten Libanon sind die Dollarreserven ausgedünnt. Das hat zur Folge, dass Importe von Medikamenten bzw. von Grundbestandteilen zur Herstellung von Medikamenten, die mit US-Dollars bezahlt werden, derart reduziert werden, dass die Versorgung der Bevölkerung erheblich gefährdet ist.

“Ein Monatsgehalt reicht gerade für zwei Wassermelonen”

Dass es um die Versorgung großer Teile der Bevölkerung in Syrien sehr schlecht steht, wird nicht zum ersten Mal festgestellt. Es zeigt sich aber ein immer härteres Bild. Der syrische Reporter Danny Makki berichtet in seiner bitteren Situationsbeschreibung davon, dass die Aussichten auch für den Großteil der regulär Beschäftigten düster seien: “Ein Monatsgehalt reicht gerade für zwei Wassermelonen”, schreibt er.

Danny Makki ist kein Freund der Regierung Assad und hat auch nichts für die Aussage deren Finanzministers übrig, wonach die Bürger ihr Einkommen besser einteilen mussen, dann würde es schon reichen. Makkis Analyse der wirtschaftlichen Lage widerspricht solchen Beteuerungen mit einer großen Fülle an Indizien, die keinen Zweifel an der katastrophalen Lage lassen. Auch die Regierung in Damaskus hatte offensichtlich kein gutes Gefühl und wollte die Aussage zurücknehmen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz berichtete vor wenigen Tagen davon, dass über 9 Millionen Menschen in Syrien als “food insecure” eingestuft werden. Sie leiden unter Nahrungsmittelknappheit. Eine der möglichen Folgen davon ist eine Entwicklungsverzögerung bei Kindern, die länger einer Mangelernährung ausgesetzt sind. Laut eines Berichts der britischen NGO Action on Armed Violence (AOAV) vom März dieses Jahres dürften zahlreiche Kinder in Syrien davon betroffen sein. Genaue Angaben gibt es nicht, sicher ist, dass die Generation, die gerade in Syrien aufwächst, nicht zu den Gewinnern gehört und die Folgen des Krieges ihnen lange böse Schatten mitgeben.

Der AOAV konzentriert seine Analyse auf kriegsbedingte Nöte, durch Offensiven, Gefechte, Belagerungen erzeugte Mängel. Dass die Sanktionen als Fortsetzung des militärischen Krieges auf wirtschaftlicher Ebene ebenfalls zur Not beitragen ist hier eine Nebensache, die nicht der Rede wert sind. …

https://www.heise.de/tp/features/Syrien-Maximaler-Druck-auf-die-Bevoelkerung-4777598.html

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