Sterben unter Verschwiegenheitspflicht

Covid 19-Tote in Alten- und Pflegeheimen

  • Robert Werner

Annähernd die Hälfte aller Verstorbenen in der Covid 19-Pandemie stammt – nicht nur in Bayern – aus Alten- und Pflegeheimen. In vielen Orten sind diese Einrichtungen Hotspots. Zehn bayerische Städte und Kreise dominieren die bundesweite Statistik der relativen Todeszahlen. Dabei überragen einige das vielgescholtene Schweden bei diesen Zahlen deutlich. Doch anders als in Schweden findet in Bayern und Deutschland darüber so gut wie keine Debatte statt. Eine Problembeschreibung. 

Patientin in einem bayerischen Altenheim hinter Plexiglas als Coronaschutzwand, Ende Mai 2020.

„COVID-19-bedingte Ausbrüche in Alters- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern werden weiterhin berichtet. In einigen dieser Ausbrüche ist die Zahl der Verstorbenen vergleichsweise hoch.“ Mit dieser immer gleichlautenden Formel konstatieren die Lageberichte des Robert-Koch-Instituts (RKI) seit Anfang April 2020 das Sterben in Heimen. Dieses Sterben dauert vielerorts bis heute an, trotz eines strikten Besucherverbots, das zum Schutz der Alten und Pflegebedürftigen verhängt wurde. Dass die Schutzkonzepte in der Altenpflege gelinde gesagt nicht wie gewünscht wirkten, das sprechen die RKI-Lageberichte nicht aus, sie deuten es nur an. Eine Analyse steht aus.

Da auch in den Altenheimen anderer Länder die Zahl der Verstorbenen vergleichsweise hoch und regional wiederum sehr unterschiedlich ist, stellt sich die Frage, woran dies liegt, wie die COVID-19 bedingten Sterbefallzahlen in Altenheimen verglichen werden können, wo die Cluster und Hotspots zu finden sind. Eine momentane Problemskizze.

Schutzausrüstung: “Kein Mensch hat an die Altenpflege gedacht.”

„In der Altenpflege haben die Schutzkonzepte komplett versagt. Sowohl beim Personal als auch bei den Besuchern“. Diese niederschmetternde Bilanz zog kein geringerer als der Präsident des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery (67). In einem Zeitungsinterview Ende Mai beklagte Montgomery, dass die Politik lange Zeit nur daran gedacht habe, „dass wir Masken und Kittel für die Krankenhäuser brauchen“. Kein Mensch habe an die Altenpflege gedacht. Darüber hinaus forderte Montgomery flächendeckende Corona-Tests nicht nur für Senioreneinrichtungen, sondern auch für Flüchtlingsunterkünfte.

Montgomery, selber Mediziner und viele Jahre lang auch Präsident der Bundesärztekammer, propagiert zudem eine Zwangsimpfung gegen den Corona-Virus, wenn irgendwann ein verlässlicher und geprüfter Impfstoff vorhanden sei. Auf diesem Wege könnte man dann, so Montgomery, indirekt auch Alte und Vorerkrankte vor Ansteckungen und COVID-19 Erkrankungen schützen.

Realistische Einschätzungen von unabhängigen Experten gehen indes davon aus, dass ein sicher wirksamer und verträglicher Impfstoff, wenn überhaupt, frühestens Ende 2021 für die breite Masse zur Verfügung stehen könnte. Ob Alte und Vorerkrankte bis zu diesem Zeitpunkt weiter isoliert bleiben sollen, nie mehr draußen spazierengehen dürfen, sprich weiter wesentlicher Freiheitsrechte beraubt werden, darüber äußerte sich der ehemalige Vorsitzende des Marburger Ärztebunds Montgomery nicht. Er setzt auf einen wirksamen Impfstoff, der vielleicht irgendwann kommt.

In Deutschland findet keine Debatte statt

Bezeichnenderweise löste Montgomerys scharfes Urteil bezüglich der Altenpflege weder in der von ihm kritisierten Politik noch bei Epidemiologen oder etwa bei Gesundheitsämtern eine nennenswerte Reaktion aus. Weder bekam der Weltärztechef Zustimmung, noch wurden die gemeinhin als wirkungsvoll geltenden deutschen Anti-Corona-Konzepte verteidigt. Dies liegt offenkundig daran, dass es in Deutschland, anders als etwa in Schweden, keine Debatte gibt um die vielen Alten und Pflegebedürftigen, die an und mit einer COVID-19-Infektion gestorben sind. Stattdessen wird weitestgehend hingenommen oder ignoriert, dass in Heimen wohnende und betreute Menschen auch nach den leichten Lockerungen im Besuchsverbot bis heute in ihren Einrichtungen weitestgehend isoliert verwahrt werden und diese, wie in einem Regensburger Heim, nicht einmal zum Spaziergang nach draußen dürfen.

Der SZ-Kommentar „Sinn und Seuche“ zum Pfingstwochenende, der sich gesellschaftspolitisch kluge Gedanken über die Corona-Pandemie macht, ist für diese Ignoranz symptomatisch: Er kommt ohne jegliche Erwähnung von Alten- und Seniorenheimen aus. Weder spricht der Autor von deren Grundrechtsbeschränkungen noch über deren hohen Anteil an den COVID-19-Toten. …

https://www.regensburg-digital.de/sterben-unter-verschwiegenheitspflicht/08062020/

#CoronaCoup#CoronaDiktatur

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